Macht kein Black Hat & Negative SEO – oder vielleicht doch?

Ganz kurz vorweg: Ich bin kein Fan von “Black Hat”-, und “Negative SEO”-Maßnahmen. War ich noch nie, werde ich auch nie sein. Dennoch will ich das Thema genauer unter die Lupe nehmen, um Dir zu zeigen was es bedeutet und wie man erfolgreich SEO betreiben kann.

Dieses böse SEO – Eine Einführung

Gerade fahre ich vom Google Dance – einer Veranstaltung von Google für SEOs, Websitebetreiber und Entwickler von Zürich nach Hause und überlege, wie ich die Zeit ohne Internet am besten verbringe. Während ich nachdenke und einen der Vorträge Revue passieren lasse, in dem es auch um das Thema “Black Hat SEO und Negative SEO” ging, stelle ich mir die Frage ”Schafft man es mit “bösem SEO” genauso schnell nach oben wie mit tollem SEO?“

Zuerst eine Begriffserklärung: Black Hat SEO umfasst Maßnahmen, die das Ranking auf unnatürlich Weise stärken wollen – alles gegen die Google Richtlinien. Dazu zählen bspw. versteckter Content auf der Seite, Keyword Stuffing (den Begriff, für den man in der Google Suche gut positioniert sein möchte, übertrieben häufig in den Text einbinden), Linkkauf und und und…Negative SEO ist eine Black-Hat-Methode, die darauf abzielt, Konkurrenzseiten bewusst zu schaden.

Ich würde mal ganz frech behaupten: Die allerersten SEO Maßnahmen waren “Black Hat”. So ging es los: Schnell viele Backlinks kaufen, um Google möglichst viele Signale für die eigene Seite zur Verfügung zu stellen, so das beste Ranking zu bekommen und möglichst hart auf ein Moneykeyword zu verlinken.

Moneykeywords sind Suchbegriffe mit hohem Suchvolumen und Wettbewerb. Deshalb will jeder dafür gute Rankings, da erwartet wird, dass sie sehr gut konvertieren und den Umsatz steigern, deshalb „Money“. Und aus diesem Grund wird und wurde genau auf diese Begriffe stark Linkkauf betrieben, damit man genau für diesen gekauften Begriff gut rankt.

Das waren die ersten Rankingfaktoren für Google, irgendwo musste es ja auch mal losgehen, oder?
Google denkt aber seit einigen Jahren immer stärker in Richtung Qualität und handelt entsprechend. Tolle Sache, außer für die Black-Hat-SEOs dieser Welt. Denn dadurch begann ihr mühsam aufgebautes Konstrukt aus Netzwerken, „Weiß-auf-Weiß-Seiten“, verstecktem Content und Linkfarmen zu bröckeln und sie sahen alle guten Rankings auf Seite 2, 3 oder noch weiter, bis hin zum Indexausschluss, davon rücken. Verständlich, denn das war und ist Googles Intention: Das beste Ergebnis für den Nutzer basierend auf Inhalten und Relevanz. Nicht basierend auf willenlos aufgebauten Links, von denen die Initiatoren wahrscheinlich nicht mal wussten, wo die Links überhaupt gesetzt wurden und Inhalten, die nur durch die schier 1000-fachen Wiederholungen des relevanten Suchbegriffs gut rankten. Wenn man sich das mal recht überlegt, ist es schon sehr traurig, wie bspw. durch Linkspam die Bedeutung einer Empfehlung zerstört wurde. Denn nichts anderes stellt ein Link dar: Eine Empfehlung mit wertvollen Informationen für den Nutzer, die ehrlich und nützlich sein sollten.

Da Google mittlerweile viel mehr Wert auf Qualität und viel weniger auf Quantität setzt, sind also wenige sehr gute und natürliche Verlinkungen besser, als tausend schlechte. Aber ist diese Maßnahme und andere „White-Hat-SEO-Techniken“ schon so viel stärker und schneller im ranken als die „bewährten“ Black-Hat-Maßnahmen?

Meine Erfahrung zeigt: Nein, leider immer noch nicht so richtig. Aber: Google lernt schnell und Google lernt viel. Was sie bisher schon geschafft haben, ist mehr als beachtlich und es gibt immer wieder Spam-Maßnahmen, die Google nicht direkt erkennt. Tägliche Updates am Google Algorithmus, semantische Suche, Sprachsuche und und und.

Die zarteste Versuchung, seit es Google gibt

Da kommt man ins Grübeln und fragt sich: Warum machen WIR das dann eigentlich nicht? Einfach hart auf ein Moneykeyword-Set verlinken, hier und da mal einen Text verfassen und mit relevanten Keywords vollpumpen, damit gute Rankings abgreifen und der Kunde ist glücklich. Die Versuchung ist groß, alleine der Gedanke daran: Wenig Arbeit und schneller Erfolg. Zu schön um wahr zu sein, oder?
Da meldet sich mein SEO-Herz wieder und gibt mir eine Nackenschelle. Absolut zu recht. SEO ist Arbeit. SEO muss nachhaltig und gut sein. Black-Hat-Maßnahmen bringen vielleicht kurzzeitig einen Erfolg, das will ich gar nicht bestreiten, aber nachhaltig und langfristig ist das nicht. Irgendwann kommt immer der Moment, in dem man Black-Hat-SEO-Maßnahmen zurückrollen muss, da sonst die Nackenschelle von Google droht.

SEO und UX
SEO muss nutzerfreundlich sein und die Nutzer im Fokus haben

SEO muss nachvollziehbar und zumindest die eigenen Maßnahmen müssen überwachbar sein. Wenn ich 10.000 Links für 50 Euro kaufe, kann ich davon ausgehen, dass das nicht gut ist und das Monitoring wird schwer und aufwendig, wenn überhaupt ordentlich durchführbar.
Jetzt wirst Du vielleicht sagen: „Hey es gibt doch auch Links für mehrere Hundert Euro, sind die dann nicht gut?“ Wenn Du mich fragst: Natürlich nicht. Gekaufte Links sind nie gut. Denn dort wo die Links käuflich und damit unnatürlich aufgebaut werden, ist meist nicht nur ein Link so entstanden sondern mehrere. Und das kann böse in einem Linknetzwerk enden. Böse auch für dich und deine Rankings.

Was ist mit Negative SEO?

Wie der Name selbst schon zeigt, ist das auch nicht das Wahre. Negative SEO ist SEO mit negativer Wirkung, was auf Konkurrenzseiten angewendet wird und zählt zu den Black-Hat-Techniken. Es widerspricht den Google Richtlinien und kann rechtliche Konsequenzen haben. Sehr unschön. Dadurch sollen Rankings anderer Seiten durch böse SEO Maßnahmen geschwächt werden. Ein Beispiel ist der starke Aufbau von Spamlinks.

Ein anderes Beispiel habe ich mir intensiver angeschaut:

Wir sehen immer noch Spam-Attacken bei Kunden, die mit gescrapten Seiten zu kämpfen haben.

“Content Scraping” bedeutet, Inhalte von Webseiten zu klauen und sie auf der eigenen Seite zu verwenden.

Es ist gelinde gesagt unschön, dass solche Seiten mit Negative SEO anderen Seiten schaden können. Und es ist erstaunlich, dass diese so schnell so viele Seiten in den Index geballert bekommen und den Webmastern dabei die (fast) Hände gebunden sind, da sie auf die “Gnade” von Google angewiesen sind, solche Seite als Spam zu identifizieren und zu entfernen. Passiert das nicht, können die “falschen” Seiten ein Ranking erzielen und die eigenen Seiten, die eigentlich das bessere Ergebnis wären, können verdrängt werden – was natürlich immer seltener passiert. Auch durch die Fülle der Seiten die indiziert werden und dadurch im Google Index erscheinen. Dabei geht es zum Teil nicht einmal um real aufrufbare Seiten, die wirklich den Inhalt, den sie gescrapt haben, anzeigen. Das wäre zwar auch alles andere als gut, aber zumindest wären hier Inhalte. Nein nein, es wird viel schlimmer: Das sind Seiten, die in den SERPs Inhalte von anderen Seiten anzeigen und so für viele Nutzer den Eindruck erwecken, hier könnte man wirklich das perfekte Ergebnis gefunden haben. Und wo landet der Nutzer? Über charmante Weiterleitungen direkt auf einer Erotik-Seite und oh, was ist das da? Man ist der 1.000.0000ste Besucher und hat was gewonnen? Oh, wie toll!

Black Hat SEO vs. White Hat SEO
Black Hat SEO. White Hat SEO – Die helle gegen die dunkle Seite der Macht

Eine Falle, in die sicher der ein oder andere noch tappt. Da versuche ich zum einen dann natürlich das Problem so schnell und zufriedenstellend wie möglich zu beheben, zum anderen frage ich mich aber auch, wie es solche Seiten in den Google Index schaffen und sich da so lange halten können – mit teilweise wirklich guten Rankings. Warum lassen die Bots und Spam-Scanner sowas zu?

Und wenn du jetzt denkst: „Ach, dann mache ich einfach ein wenig Negative SEO für meine Konkurrenz, das schadet denen doch und bringt mir was“. Bitte nicht. Ganz doofe Idee. Erstens: Pfui, sowas macht man nicht. Zweitens: Pfui, sowas macht man wirklich nicht. Drittens: Das kann schnell rechtliche Konsequenzen für dich haben. Genauso muss du natürlich auch prüfen, ob Negative SEO „für“ dich betrieben wurde.

Kurze Randnotiz: Negative SEO hat in vielen Fällen aber auch gar keine Auswirkungen auf das Ranking, was ein bekannter SEO vor einiges Zeit selbst mal ausprobiert hat.

Und was mach ich jetzt?

Also lieber Webseitenbetreiber, SEO, Entwickler oder Interessierter: Wenn Du dir am Anfang des Beitrags gedacht hast „Cool, ich kann fast umsonst und super schnell erfolgreiches SEO machen“, dann hast du dich leider von meiner tollen Überschrift catchen lassen. Nachhaltige und gute SEO-Arbeit braucht Zeit. Es ist viel Recherchearbeit und Fehlersuche, aber genau darauf kommt es an: Die Fehler auf der Seite identifizieren und beheben, um die Ergebnisse für den Nutzer relevanter zu machen. Die Seite schneller zu machen, damit der Nutzer nicht frustriert nach fünf Minuten das Handy aus dem Fenster wirft. Den Content noch einzigartiger und geiler zu machen, um ihm für seine Anfrage „Wie viel paar Schuhe braucht eine Frau“ die richtige Antwort bereitzustellen: „Es kann nie genug geben“.
Ich kann dir aus Erfahrung sagen: Man schafft es auch ein gutes Ranking zu erzielen (in den Top 3), wenn man den Suchbegriff nur einmal auf der Website platziert. Das Gesamtpaket muss einfach stimmen.
Mach’ gutes SEO, denke nicht an schwarze Hüte und Negative SEO, schlaf dadurch ruhiger und spar Dir doppelte Arbeit, denn früher oder später werden Dir die Bots und Spam-Scanner ohnehin auf die Schliche kommen. Und selbst wenn ihr kein Negative SEO betreibt – Eure Konkurrenten können das auch für euch übernehmen, also Augen auf im Suchmaschinen-Verkehr.

Wie du das alles überwachen kannst, kannst du hier nachlesen.
Welche Seite der SEO-Macht hat Dich mehr überzeugt, „Black Hat“ oder „White Hat“? Lass Deine Meinung und Fragen zum Thema SEO gerne in den Kommentaren da.

Mehr SEO-Artikel findest Du auf unserem Blog und in unserer netzstrategen-Akademie.

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