Peters Kolumne: Früher war weniger Updates – eine Weihnachtsgeschichte

Ich vermute, dass Du schon in weihnachtlicher Stimmung bist und Dich darauf freust Freunde und Familie zu sehen, viel zu schenken und beschenkt zu werden. Doch die Idylle ist trügerisch, denn im Schatten zwischen CPUs, RAM-Riegeln und OLEDs, da lauert es, das Update! Damit aus der Weihnachtszeit nicht "A nightmare before christmas" wird, einige Tipps und eine neue Variante von Lukas - Kapitel 2.

Was der Prophet zu IT-Problemen weissagte

MobiTigger, gepriesen sei sein Namen und sein Geschlecht der MobiTiggers, sah eine neue Art der Pilgerschaft, die die digitale Welt hervorgebracht hatte. Ihre Aufgabe war es die Spreu vom Weizen zu trennen, durch den unbarmherzigen Richter „Eltern mit kaputter Technik oder schwer reproduzierbaren Nutzerfehlern“. Nur die die reinen Herzens sind und die Geduld des Berges in sich tragen können diesen Test bestehen.

Lesung aus dem Buch Digitalis

Es begab sich in jenen Tagen des Jahres 2018, dass ein Befehl ausging von Müttern und Vätern allegleich, dass Söhne und Töchter zurückkehren sollten in ihre Dörfer und Städte, um sich mit allerlei Gebäck dem Aufbau des Weihnachtsspecks zu widmen. Dies geschah zum wiederholten Mal und jeder ging in seine Stadt.

Als sie dort waren, kam bald die Zeit des Darniederliegens, denn sie verdauten schwer. In jenen Häusern lagerten allerlei technische Geräte und darbten mit dutzenden unbeantworteten Update-Anfragen. Da trat der Engel des STP-Protokolls Raida Joy Perlman zu ihnen und der Glanz des Internets umstrahlte sie. Da sie nicht Siri waren, fürchteten sie sich nicht sehr.

„Kannst du dir mal schnell mein Smartphone anschauen“ – Symbolbild

Unbeeindruckt davon sprach der Engel: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die euch zuteil werden soll: Heute ist euch in diesem Haus der Retter erschienen; er ist der Messias, der IT-Support. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet Mutter oder Vater hören sagen „So schön, dass du da bist, kannst du mir mal das Handy und den Computer ansehen, die zicken beide rum.“.

Und plötzlich war bei dem Engel ein großes digitales Heer, das das Netz lobte und sprach: „Verherrlicht ist TCP/IP in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Usern seiner Gnade.“ Als die Engel sie verlassen hatten und in das Internet zurückgekehrt waren, sagten die Geräte zueinander: „Kommt, wir setzen Werbeccookies für „anonymes Surfen“, „einfach Geld verdienen“ und „Seitensprünge in deiner Nähe.“ Denn auch ihre Sicherheitslösungen waren sehr veraltet.

Kurze Zeit später erschien ihnen der Nachwuchs, wie es der Engel versprochen hatte und verbrachte die Stunden bis tief in die Nacht hinein Updates aufzuspielen, Malware zu entfernen und unnötige Anwendungen zu deinstallieren. Die Geräte von ihrer Last befreit, priesen den Updater und funktionierten immerhin drei Wochen einwandfrei.

Wie Du das mit den IT-Problemen verbessern kannst

Mit jetzt hoffentlich ausreichen kontemplativer Stimmung, lass uns einen kleine Tour durch die Maßnahmen machen, wie Du IT-Support bei Deinen Eltern vermeiden oder zumindest minimieren kannst:

  • Mach eine Backup der Router-Einstellungen deiner Eltern auf einen USB-Stick mit der Aufschrift „Backup“, damit er nicht für andere Sachen genutzt wird

So kannst Du schnell helfen, falls er sich unerwartet zurücksetzt. Falls er komplett abraucht, kannst Du damit eine neues, baugleiches Gerät auch schnell wieder ans Netz bringen. Die meisten Router bieten die Option die Einstellungen zu exportieren.

  • Lass dir zeigen, wo die Unterlagen für den Fest- und Mobilnetzvertrag sind. Falls die noch nicht an einem Ort liegen, muss ein beschrifteter Ordner her.

Das bereitet Dich auf das Worst-Case-Szenario vor, dass irgendwas ganz seltsames kaputt ist. Das ist zum Beispiel oft der Fall, wenn Deine Eltern von analoger auf digitale Telefonie umgestellt haben. Pro-Tipp dazu: Mit recht hoher Wahrscheinlichkeit ist Dein Leben einfacher, wenn Du dich einfach als Dein Vater oder Deine Mutter ausgeben kannst, habe als die Geburtsdaten parat. Das spart dir den Teil, in dem Dich der freundliche Support darauf hinweist, dass sie mit Dir leider nicht reden dürfen.

  • Leg Deinen Eltern sichere Passwörter an und speichere sie in einem Passwort-Container – dessen Passwort Du dir leider merken musst und das auch sicher sein muss

Nichts macht mehr Spaß als Passwörterraten und dann herauszufinden, dass es der Hochzeitstag ist. Deshalb gibt es auch da draußen Menschen, die den ganzen Tag nichts anderes machen, in der Hoffnung, dass sie an Mail-Zugänge und Bankdaten kommen. Erspar Dir und Deinen Eltern viel Ärger, indem Du 1password, KeePass oder ein anderes Tool deiner Wahl einsetzt. Wenn Du schon dabei bist: Schreib auch die ganzen Gerätenummern rein, Du wirst es Dir später danken.

Update-Stau in der Cloud – Symbolbild

  • Installiere einen Ad-Blocker.

Der Markt für Bannerwerbung kränkelt, daher ist es billig sich auch für renommierte Seite Ad-Positionen zu kaufen und über diese dann Schadcode zu verbreiten. Bevor Du also jedesmal viele tolle Add-Ons und Widgets wieder deinstallieren darfst, minimiere das Risiko über einen Ad-Blocker. Ich persönlich bin ein großer Freund von uBlock Origin. Bei Adblock Plus empfehle ich Dir diesen Beitrag von Sascha Pallenberg und überlasse Dir die Entscheidung.

  • Aktiviere überall Safe Browsing oder das Äquivalent dazu.

Auch das wird Dir viel Ärger sparen, denn Browser sind inzwischen recht gut darin, vor schädlichen Seiten zu warnen.

  • Gehe mit Deinen Eltern einmal durch einen System-Update-Prozess und lass sie es dokumentieren.

Gerade bei Windows ist es wichtig, dass Du deinen Eltern zeigst, wie der richtige Update-Prozess aussieht, da der gerne imitiert wird, um unliebsame Programme unterzuschieben. Die meisten Browser updaten sich inzwischen automatisch, da solltest Du also auf der sicheren Seite sein.

  • Zeige ihnen wie sie mit ihrem Smartphone einen mobilen Hotspot aufmachen.

Manchmal ist das Internet halt einfach kaputt und es gibt nichts, was Du direkt dagegen tun kannst. Da hilft es natürlich, wenn Deine Eltern den Laptop oder den PC ans Netz bringen können, um stressfrei an die Mails und das Internet in einer gewohnten Nutzerumgebung zu kommen.

  • Geh einmal mit ihnen eine gute Fehlerbeschreibung durch.

Klassisches Szenario: „Das Internet geht nicht!“, „Gabs eine Fehlermeldung?“, „Weiß nicht, hab ich nicht drauf geachtet.“ Dann beginnt die IT-Variante des beliebten Gesellschaftsspiels „Tabu“, mit dem Unterschied, dass nie versehentlich der richtige Begriff genannt wird. Ein gutes Beispiel und ein PDF, dass du dafür nutzen kannst, findest du in diesem Blogbeitrag von uns.

„Aber du musst doch wissen, was du geklickt hast?!“ – Symbolbild

  • Besorg deinen Eltern eine gute, große externe Festplatte.

Damit hast Du die Gelegenheit immer falls Du zu Besuch kommst alle Bilder, den Dokumentenordner und die Nutzerdaten darauf zu sichern. Da du ja mindestes einmal im Jahr zur Pilgerfahrt nach Hause kommst, gibt es immerhin jährliche Backups.

  • Mach deine Eltern digital handlungsfähig.

Die Königsdiziplin, die sich langfristig richtig auszahlt: Wenn Du deinen Eltern all die kleinteiligen Dinge zeigst, die man auf so einem PC oder einem Smartphone machen kann und ihnen die Basics in Sachen Bedrohungen im Netz beibringst, wirst Du immer weniger Ärger mit Malware haben. Das ist auch nur fair, schließlich haben deine Eltern Dir auch den ganzen Meat-Space-Kram beigebracht. Das bedeutet aber, dass Du sie in das schmutzige Geheimnis einweihen musst, dass Du die ganzen Probleme auch nur über googeln und in Foren rumpuhlen löst.

Aber wenn das Wort Fleisch werden kann, dann kommst Du auch mit ein bisschen Entzauberung klar. Die erste und wichtigste Lektion, die Du ihnen da beibringen kannst ist „Fürchtet euch nicht!“, denn inzwischen sind die Systeme und Geräte so gut, dass es schwer ist katastrophalen Schaden anzurichten. Du hast es schließlich auch nur durch Vorwärts-Stümpern – oder sagen wir mal heuristische Verfahren – gelernt.

Wir sehen uns Ende 2019 hier in alter Frische und lass mich wissen, was noch hier in die Liste muss. Aus SEO-Gründen posten wir das jetzt alle Jahre wieder.

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