Recap zum Chaos Communication Camp 2019

Buntes Licht, schnelles Internet und ein eigenes Telefonnetz: Social Media-Strategin Sarah berichtet von ihrer Teilnahme am Chaos Communication Camp 2019 in Berlin.

Was ist das #cccamp19?

Das Chaos Communication Camp ist ein internationales Treffen, das in der Nähe von Berlin stattfindet. Es wird vom Chaos Computer Club (CCC) organisiert, der auch den jährlichen Chaos Communication Congress veranstaltet. Unzählige Freiwillige planen und veranstalten das Event alle vier Jahre. Die sogenannten „Engel“ packen bei fast allen Aufgaben mit an: Auf- und Abbau, Übersetzen der Vorträgen, Parkplatzeinweisungen, Flaschen sortieren, die Moderation auf den Bühnen und noch viel mehr.

Uns Teilnehmende verbindet, dass wir uns für Themen oder Dinge sehr begeistern können. Das können Themen wie Umwelt- und Datenschutz umfassen, oder Hobbies wie „Capture the flag”, löten oder Guerilla-Häkeln sein. Kurz: viele „Nerds“ kommen zum „nerden“ zusammen. Autor John Green definiert einen „Nerd“ meiner Meinung nach am treffendsten:

“Because nerds like us are allowed to be unironically enthusiastic about stuff. Nerds are allowed to love stuff, like jump-up-and-down-in-the-chair-can’t-control-yourself love it. When people call people nerds, mostly what they’re saying is ‘you like stuff.’ Which is just not a good insult at all.”

Disclaimer: ich erhebe nicht den Anspruch, einen vollständigen Recap zum #cccamp19 zu schreiben. Ich habe (leider) nicht die neuesten, technischen Trends und Entwicklungen mitgebracht, da ich die Vorträge zu diesen Themen schlicht nicht verstehe. Ich möchte aber gerne einen generellen Einblick in die Atmosphäre des #cccamps geben und meine Freude mit Dir teilen.

Wie man zum Camp kommt:

  • 1.: Karten ergattern. Das ist nicht ganz unkompliziert, da Tickets mit reproduzierenden Vouchern vergeben werden, die man unter anderem durch ehrenamtliches Arbeiten auch ergattern kann.
  • 2.: Planung. Möchtest Du mit Gleichgesinnten im „Village“ oder lieber unabhängig zelten? Ich hatte das Glück, mit einer tollen Truppe aus Karlsruhe anzureisen, dadurch konnten wertvolle Camping-Ressourcen (und ganz wichtig, die Vorfreude!) geteilt werden: Gemeinsame Anfahrt, kochen, Gaffa, Lötkolben und was man noch so beim Campen braucht. Herrlich.
  • 3.: Die Zeit vor Ort verplanen: und zwar genau so, wie man möchte. Ich schaue mir im Vorfeld gerne den Camp-Fahrplan an und suche Vorträge aus, die mich interessieren. Außerdem werden viele fleißige Helfer*innen für Engelschichten gesucht. Diese Schichten machen die Veranstaltungen erst möglich und dazu großen Spaß.
  • Was ich dort gemacht habe:

    Vieles. Ich habe mir Vorträge angehört, blinkende Kunstwerke von anderen angeschaut und mir diese erklären lassen. Am liebsten laufe ich abends über das Camp und stelle Fragen: „Was ist das? Was macht das? Wie hast du das gebaut?“ Da viel Leidenschaft und Freude in die Projekte fließt, sprechen die Meisten auch sehr gerne darüber und erklären auch jemandem ohne Vorwissen alles, was man darüber wissen kann. Dadurch habe ich mich mit vielen fremden aber doch gleichgesinnten Menschen ausgetauscht und dazugelernt. Außerdem gibt es spannende, selbst organisierte Workshops in den einzelnen Villages, bei denen man mitmachen kann. Ich habe bei diesem Camp zum Beispiel das Löten gelernt. Das ging so: ein village hat viele Löt-Sets und Löt-Stationen eingepackt und aufgebaut. Dann haben sich Freiwillige für Schichten eingeteilt, um anderen zu erklären, wie man lötet. Nur aus Spaß, an der gemeinsamen Freude.

    Selbstgelötete Lampe aus LEDs cccamp 2019
    Meine erste LED-Lampe. Das soll so schief sein, das ist Kunst. 😉

    Alle geplanten Vorträge werden übrigens aufgezeichnet und veröffentlicht, um einer größtmöglichen Menge an Leuten das Wissen zur Verfügung zu stellen.
    Ich empfehle besonders folgende Vorträge:

  • Zombie Apocalypse vs. International Health Regulations
  • Ethikrichtlinien für Künstliche Intelligenz? Wie wär’s mit Gesetzen?
  • Why Nobody cares, and only You can save the World
  • Als Netzaktivistin im Bundestag – Insider Einblicke und Mitmachmöglichkeiten
  • Caught in the Net

    Gut zu wissen:

    Wenn Du den Camp-hashtag #cccamp19 bei Instagram oder Twitter durchscrollst, findest Du zwar viele Bilder aber keine Schnappschüsse von Menschengruppen. Fotos von Gesichtern sind nur mit Intension zu finden, also als Selfie oder “gestelltes Bild”. Privatsphäre wird auf dem Camp groß geschrieben und es macht mir wirklich Freude zu sehen, dass dies von mehreren tausend Menschen respektiert wird.

    Mein Fazit:

    Vier Jahre bis zum nächsten Camp in Berlin sind zu lange. Ich werde gerne wieder teilnehmen. Das Camp ist ein toller Ort um zu Menschen aus vielen verschiedenen Branchen und neue Impulse und Themen kennen zu lernen. Außerdem findet man dort begeisterte Menschen, die einem bei einem Projekt helfen und mit know-how und Muskelschmalz mit anpacken.
    Bis dahin freue ich mich bereits auf den Kongress 36c3 im Dezember. Du kannst Dir die Atmosphäre der ccc-Events auch in Karlsruhe live anschauen. Die Gulaschprogrammiernacht findet jedes Jahr im ZKM statt.

    Ich hoffe, ich konnte Dir einen kleinen Einblick in die bunte Welt des CCC geben. Ich freue mich über Deine Fragen und Anmerkungen in den Kommentaren.

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