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Staffel 3
Episode 1
Host dieser Episode:
Andre Hellmann
Andre Hellmann
Gäste in dieser Episode:

Dirk Fox

Dirk Fox und die technika

In dieser Folge ist Dirk Fox, Gründer der technika: Karlsruher Technik-Initiative, zu Gast. André Hellmann spricht mit Dirk über die Entstehung der technika und ihren positiven Lerneinfluss auf bereits tausende Schüler:innen und erzählt, wie aus einer Idee diese deutschlandweite Initiative gewachsen ist.

 

💡 Links zu allen Themen, die in der Folge erwähnt werden:

Transkript

🚀 Das Wichtigste im Überblick:

Gründung und Zweck von Technika: Dirk Fox startete Technika, um MINT-Fächer in Schulen zu stärken. Die Initiative vermittelt Schülern technisches Verständnis durch interaktives Lernen.

Erfolg und Methodik: Technika wächst rasant und setzt auf intrinsische Motivation der Schüler durch eigene Projekte. Dies fördert Kreativität und technisches Verständnis.

Zukunftsvision und Bildungswandel: Fox plant, die Schulausbildung zu modernisieren, indem er praxisorientierte Ansätze in MINT-Fächern integriert. Technika könnte als Modell für innovative Bildung dienen.

[00:00:03.750] – André
Ja, dann herzlich willkommen zum Digital Impact Podcast bei den netzstrategen. Ich habe heute einen ganz lieben Gast, den Dirk Fox. Uns verbindet die gemeinsame Vorstandsarbeit beim Cyberforum, wo wir schon seit vielen Jahren im Vorstand tätig sind. Und ich habe den Dirk heute eingeladen, um uns mal über die technika zu erzählen. Aber bevor er uns über sein großes Projekt berichtet, würde ich Ihnen einfach kurz vorstellen. Dirk ist Experte in IT-Sicherheit und Datenschutz Themen und war schon immer sehr umtriebig. Er ist Herausgeber der Fachzeitschrift Datenschutz und Datensicherheit, seit 98 auch geschäftsführender Gesellschafter der Secorvo Security Consulting GmbH. Er hat das Jugendbildungswerk Verein zur Förderung politischen Handelns, politischen Bildungsseminaren für junge Menschen gegründet. Geschäftsführender Vorstand, wie schon gesagt, mit mir zusammen beim Cyberforum, aber eben jetzt vor allem auch der Gründer der, der technika, die hier in Karlsruhe in großen Impact an den Schulen hat. Und hat dafür auch jetzt vor kurzem das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten. Und das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen und haben ihn eingeladen. Hallo Dirk, schön, dass du da bist.

[00:01:12.000] – Dirk
Hallo André, ganz herzlichen Dank für die Einladung.

[00:01:13.980] – André
Super gern. Wir freuen uns riesig. Seit langer Zeit sagen wir schon, wir müssen mal deine Geschichte auch quasi aufs Band kriegen, dass man sich das anhören kann. Weil du weißt das in jeder Vorstandssitzung sitze ich da und kriege ganz große Augen, wenn du von den klassen Ergebnissen, Errungenschaften deines Projekts erzählst. Und deswegen finde ich es klasse, dass wir mal direkt darüber sprechen können. Mach es uns mal ganz kurz beschreiben, was die technika ist. Was, was macht das eigentlich?

[00:01:38.700] – Dirk
Ja, sehr gerne. Also ganz grundsätzlich – Insofern finde ich das auch sehr schön, hier die Gelegenheit mal zu haben, so einen Blick zurück zu richten. Den richtet man ja meistens nicht, sondern eher nach vorn. Und die technika habe ich 2013 ins Leben gerufen. Das begann eigentlich ganz klein. Zielsetzung war, eine Initiative zu gründen, um die MINT Bildung und zwar aus MINT, dass I und T, die Informatik und die Technik an Schulen, speziell hier in Karlsruhe, also zunächst an einer Schule, nämlich der Schule meiner drei Kinder, das ist auch noch so einen anderen Job, den ich nebenher habe, dass ich drei Söhne habe. Und als die in das entsprechende Alter im Gymnasium kamen, war ich erschüttert, dass in einer Technologieregion ein Schulunterricht wie vor 50 Jahren stattfindet, in dem Technik einfach keine Rolle spielt.

[00:02:26.100] – André
Welche Schule waren das?

[00:02:27.900] – Dirk
Bismark Gymnasium. Was sich nun vom Namen als sprachlich humanistisch ganz lange Tradition auch nicht gerade anbietet. Eine zunächst auf den ersten Blick jedenfalls nicht anbietet, eine Schule zu sein, die bei dem Thema ganz vorne ist. Auf den zweiten Blick natürlich schon, weil das humanistische Bildungsideal natürlich genau darauf abzielt, alle Fertigkeiten, Fähigkeiten, Talente von Menschen zu entwickeln. Und deswegen war die erste Antwort vom Rektor, als ich das Konzept vorgestellt habe, damals eine AG einzurichten, die sich mit Technik und Informatik beschäftigt. Das hat uns gefehlt, und zwar nicht gerade noch, sondern im Gesamtkonzept. Das heißt, das ist ein Talent, was wir hier nicht entwickeln, und das wollen wir haben. Mit dieser AG haben wir auch einen sehr ungewöhnlichen Weg beschritten. Also man kann natürlich, wenn eine Bildung ärgert, auch versuchen, politisch Dinge durchzusetzen. Ich habe mich da ein bisschen umgehört und umgeguckt, einiges dazu gelesen. Da gab es viele, viele Initiativen, auch die Initiative zum Beispiel Informatik jetzt in die weiterführenden Schulen zu bringen, die 15 Jahre lang, gesteuert von der Gesellschaft für Informatik vor allem – oder gefördert daran gearbeitet hat, bis es dann einen Teilerfolg hatte. Das ist einfach das Bohren dicker Bretter. Das ist zwar was, was wir in der Politik immer machen muss, aber in einem Thema wie diesem kann man das nicht machen. Wir haben eine auf dem Kopf stehende Bevölkerungspyramide. Wir haben in Deutschland keine Rohstoffe, die wir verkaufen können. Ja klar, wir können da Gold schürfen im Rhein. Aber damit kann man, glaube ich, dieses Land nicht ernähren. Und wir haben tatsächlich eine Außenhandelsquote von über 50 %. Das bedeutet, dass das Geld, was wir im Außenhandel verdienen, 57 % deutschlandweit, Baden Württemberg sogar noch ein bisschen mehr, des Bruttoinlandsprodukts sind. Ja, das macht man sich glaub ich nicht so ganz klar. Das heißt, wenn wir 2 % im Außenhandel verlieren, ist das 1 % weniger BIP.

[00:04:19.920] – André
Und da hast du dann den Schluss, der technika geschlossen.

[00:04:22.230] – Dirk
Und ja, ich meine, wo sollen, wo sollen denn die Menschen herkommen, die jetzt, wenn die geburtenstarken Jahrgänge wie mein Jahrgang die hat, in sieben acht Jahren alle in Rente sind? Spätestens.

[00:04:30.990] – André
Das kann ich mir nicht vorstellen bei dir, das du in 7-8 Jahren in Rente bist.

[00:04:36.150] – Dirk
Na ja, zumindest der Plan ist, dass sagen wir, die Vorgabe, die erst mal für die meisten Arbeitnehmer gelten wird und die wird greifen und die geburtenstarken Jahrgänge werden dann weg sein. Und wenn man sich Umfragen anschaut, auch Analysen anschaut aus den letzten 20 Jahren, dann sieht man, dass das genau die Generation ist, also genau die 50 bis 60 jährigen, die die Projekte leiten, die großen Ingenieurinnovation machen usw., usw. Ja, die mit ihrer langjährigen Berufserfahrung und ihren Kenntnissen im Grunde das wuppen. Denn diese Auslandshandels oder Außenhandelsquote bezieht sich allein auf Produkte, denn keine Dienstleistung dabei. Die einzigen Produkte, die wir im Ausland verkaufen, sind Maschinenbau, Automobil.

[00:05:15.360] – André
Vielleicht springen wir mal auf die Ursprungsfrage zurück. Die technika – beschreib mal was, was ist das denn genau?

[00:05:20.550] – Dirk
Die Idee war meine Frage, die ich mir gestellt habe: Wie kriegt man das in die Schule rein? Jetzt, dass man das in einer AG macht, ist ja naheliegend, wenn man nicht die Curricula ändern kann. Und dann habe ich mich gefragt: Was könnte man denn da tun? Da kann man natürlich schulen oder man kann erklären oder was auch immer. Aber das – die Kinder wollen ja nicht noch mehr Schule haben. Da habe ich mich einfach zurückerinnert, wie das bei mir angefangen hat, weil meine Technikfaszination über die Beschäftigung mit Fischertechnik kam als Kind. Das blieb dann liegen, als ich Kinder hatte und irgendwann einige Jahre vor diesem Ereignis, 2013, als ich dann entschied, da was zu machen, hat mein Vater mich angerufen, hat gesagt hier steht noch Fischertechnik auf dem Dachboden. Kann ich es endlich wegschmeißen? Ja, er wollte natürlich nur, dass wir ihn besuchen fahren. Ja, besuchen fahren. Habe ich die Kästen mitgenommen und als ich dann am nächsten Morgen um sechs mein letztes Modell fertig gebaut hatte, wusste ich da was gefehlt in den vergangenen 20 Jahren. Und dann habe ich begonnen mit meinen Kindern, mit dem Material, was ich da noch aus meiner Jugend hatte, so das eine oder andere zu konstruieren. Und da ging mir auf einmal auf, wie sehr das meine Art, Dinge zu tun, auch meine Faszination für Technik geprägt hat. Zum Beispiel ein ganz, ganz wichtige Erkenntnis daraus, wenn man etwas konstruiert, dann hat man eine Aufgabe mit unendlich vielen richtigen Antworten. Dafür gibt es bessere Lösungen und schlechtere Lösungen. Und in der Schule unterrichten wir, dass es für jede Aufgabe nur genau eine richtige Antwort gibt und alle anderen sind falsch. Das brauchen wir oder meinen, die Schulen zu brauchen, weil man es testieren muss. Aber wenn man ein guter Ingenieur werden will, dann muss einem klar sein, dass man unendlich viele mögliche Lösungen hat. Und man muss die Lösungen vergleichen, bewerten können nach unterschiedlichen Kriterien und dann einen ständigen Verbesserungsprozess anstoßen. Und genau das lernt man mit so einem Konstruktionsmaterial. Und das war die Idee. Also die Grundidee dieser Initiative ist, ich gebe den Kindern ein Kinderzimmer voll Technikspielzeug an der Schule und sie können sich selber aussuchen, was sie damit machen. Völlig egal.

[00:07:25.620] – André
Sie haben keine Vorgaben, was gebaut werden soll?

[00:07:26.940] – Dirk
Sie haben keine Vorgaben, die haben keine Ziele. Es ist völlig offen, was sie machen. Sie setzen sich ihre Aufgabe selber. Und dann passiert was ganz Phänomenales, nämlich intrinsische Lernmotivation. Wir erleben ganz oft im Augenblick das Erklärte-Lernen muss Spaß machen, ist totaler Blödsinn. Entschuldigung. Lernen macht keinen Spaß. Lernen kann überhaupt keinen Spaß machen. Lernen ist harte Arbeit. Die strengt unser Gehirn maximal an und alles in unserem Körper rein von unserer Biologie ist auf Effizienz gepolt. Wir versuchen, die Sachen effizient zu einem Ergebnis zu bringen. Deswegen ist das Sofa immer besser als Lernen. Ja, und jeder Mensch naturgemäß vermeidet Lernen. Lernen ist Mist. Was cool ist, ist Können.

[00:08:09.180] – André
Das Ergebnis vom Lernen.

[00:08:10.050] – Dirk
Das Ergebnis vom Lernen oder die Anwendung des Lernens. Und deswegen ist ein guter Lernprozess immer ein Prozess, in dem man relativ schnell Lernfortschritte erzielt, aber mit einer intrinsischen Motivation. Das heißt, man will die Frage beantworten können. Was machen wir in den Schulen, in den Schulen, bringen wir den Kindern Methoden bei für Probleme, die sie nicht haben. Ja, wir rechnen Mathematik.

[00:08:34.090] – André
Kommt mir bekannt vor.

[00:08:35.320] – Dirk
Das ist vielleicht unvermeidbar in Teilen. Aber das ist keine intrinsische Motivation. Intrinsisch wird es dann, wenn die Kinder sich selbst eine Aufgabe stellen, sagen Ich will das jetzt bauen. Ein Beispiel, das gleich in der ersten im ersten Jahr der AG ist, mir gezeigt hat, wie genial das funktioniert. Gruppe von vier Kindern hat beschlossen, in der allerersten AG, die ich gegründet habe. Wir bauen einen Free Fall Tower. Wie sie auf dem Markt so richtig fällt runter. Die haben das Ding gebaut. Hat gewackelt, nen Kuhschwanz. Na ja, wie kriegt ihr das Ding jetzt stabil? Na ja, man kann noch mehr Material reinhauen. Ja, ,klar.

[00:09:06.160] – André
Schwerer machen.

[00:09:06.520] – Dirk
Beton kann man einfach schwerer mache, wie auch immer. Ja, aber guckt euch mal an, wie so ein Mast draußen aussieht oder wie so ein echtes Ding aussieht. Man kann da Streben bauen, man kann es stabilisieren. Statik. Ja, die haben nichts verstanden von Statik, aber sie haben genau verstanden, wie betonhart das auf einmal wird. Ja, dann haben sie gesagt: Okay, jetzt muss das Ding runterfallen. Und dann sind die Männchen immer runter geflogen. Ist ja klar, wenn das Ding runter saust, danach Genickbruch und kaputtes Kreuz. Also muss man sich irgendwas überlegen. Wir müssen es bremsen. Ja, okay, wie bremsen wir das. Ja, dann habense mit Federn probiert und es ist halt gehoppelt. Und dann haben sie versucht, den Motor zu drehen. Hat alles nicht richtig funktioniert. Ich sage okay, dann guckt doch einfach im Internet, wie es richtig funktioniert. Haben se nachgeguckt, haben gesagt Wirbelstrombremse. Ja, Wirbelstrombremse. Genau. Oha, das lernt man in der Schule überhaupt nicht. Und es waren Sechstklässler. Jetzt geht ihr zu eurem Physiklehrer und fragte ihn, wie ne Wirbelstrombremse funktioniert. Sind die hin und eine Woche später hatten sie eine Wirbelstrombremse eingebaut und hat funktioniert.

[00:09:58.540] – André
Mit Fischertechnik, gebaut selber?

[00:10:00.220] – Dirk
Genau.

[00:10:00.970] – André
Cool.

[00:10:01.060] – Dirk
Da haben sie einfach ein paar Magneten dazugenommen und haben eine Metallschiene…

[00:10:04.330] – André
Und die funktioniert, wow, okay.

[00:10:06.730] – Dirk
Und das, und das ist, glaube ich, der Schlüssel in diesen ganzen AGs. Die Kinder stellen sich eine Aufgabe und danach ist Lernen natürlich immer noch anstrengend und doof, ja, aber sie wissen genau, warum sie es tun.

[00:10:17.410] – André
Die Motivation ist auch mal da.

[00:10:18.550] – Dirk
Und wenn das Ding dann nachher läuft, stolz wie Bolle…

[00:10:21.760] – André
Großartig.

[00:10:22.360] – Dirk
Und verdient. Und das ist eigentlich die Kernidee dieser AGs. Also sie kriegen Prototypen Material, was so ähnlich funktioniert wie echtes Material, deswegen Fischertechnik. Also man kann wirklich industrielle Prototypen bauen und das Ergebnis funktioniert auch genau so. Und Sie können durch einen ständigen Verbesserungsprozess genau das machen, wovon im Grunde unsere gesamte Maschinenbauindustrie in Deutschland lebt. Dass nämlich Produkte immer durch ständige Innovation, also Verbesserungsinnovationen, besser und damit am Weltmarkt auch nachgefragt werden. Und genau das lernen die da.

[00:10:51.580] – André
Okay, das heißt die technika ist also für ein Schüler, ein Spielzimmer voll mit Fischertechnik, in dem sich die Kinder einmal die Woche, mehrmals die Woche…

[00:11:00.490] – Dirk
Genau, einmal in der Woche, einmal in der Woche rund zwei Stunden. Und nachdem das an der Schule geklappt hat, habe ich so an der einen oder anderen Stelle die Idee mal fallen lassen. Und dann kamen ganz viele Nachfragen. Im Jahr drauf sind schon acht Schulen. Ich habe dann jeweils Sponsoren besorgt, die dann im Grunde das Material beschafft haben. Ist im Grunde eine einmal Investition. Die liegt so zwischen 2.500-3.500 €, je nachdem wie viel Controller und Computing usw., man dazu packt. Und damit ist es ausgestattet und die Betreuung erfolgt zum Teil von den Schülern selbst. Ja und die Dinger sind völlig überrannt. Also wir haben Bismarck Gymnasium im ersten Jahr 10 % aller Schüler in der AG gehabt. 10 %. Das ist der absolute Hammer. Und da eine gewisse Fluktuation natürlich über die Jahre auch stattfindet, da geht mal jemand, in den Sportverein, das kollidiert usw., dafür kommen andere rein. Erreichen wir einen relativ großen Teil, also geschätzt so um die 20, vielleicht 25 % an den Schulen der Schüler, die tatsächlich mal mindestens ein Jahr in der AG sind.

[00:11:58.780] – André
Und sind es dann eher die älteren Klassen oder die jüngeren oder wie…

[00:12:01.690] – Dirk
Durch die Bank. Also wir haben anfänglich haben wir gedacht, man kann es, also haben die Lehrer gedacht, muss ich dazu sagen, ich hätte sofort bei der fünften Klasse angefangen, aber die Lehrer gesagt, erst ab der siebten Klasse machen, da kriegen ja auch NWT usw. usw. Dann hat mich ein Jahr später eine Mitarbeiterin vom Cyberforum gefragt, die Dörte, die inzwischen sehr aktiv ist in der Initiative und auch Mitarbeiterin ist, hat mich gefragt, warum wir nicht an die Grundschulen gehen. Durchaus ein Eigeninteresse für ihre eigenen Kinder probiert. Jetzt machen wir das an Grundschulen. Über die Hälfte der Schulen, die wir ausgestattet haben, sind Grundschulen. Da fangen die Kinder in der dritten Klasse an, in der vierten lernen sie inzwischen Programmieren. Die kommen auf die weiterführende Schule in der fünften Klasse, können programmieren. Ja, die treiben in der siebten Klasse die NWT Lehrer vor sich her.

[00:12:43.270] – André
Aber dann, wenn wir jetzt von Programmieren sprechen, sprechen von Scratch oder irgendeiner Sprache.

[00:12:46.750] – Dirk
Da sprechen wir zum Teil auch von Python. Dass machen die natürlich nicht in der Grundschule, aber das machen die dann in der weiterführenden, aber in der Regel in der Grundschule ist Scratch.

[00:12:52.990] – André
Dass man mal lernt, so Logik lernt.

[00:12:55.180] – Dirk
Genau, Logik lernen, Aufbau lernen, Prinzip lernen. Aber die kennen damit danach die komplette Struktur wie funktionieren Programmiersprache und dann ist der Schritt auf eine andere ist natürlich dann relativ klein, wenn man das Prinzip verstanden.

[00:13:05.680] – André
Gibt es da eine Schnittstelle zwischen der Programmierung und auch der Mechanik, quasi der Fischertechnik?

[00:13:09.610] – Dirk
Ja genau, die ist sogar elementar. Also Fischertechnik hat das mal in einem Projekt mit einer Hochschule gemacht. Da gab es und gibt es auch nach wie vor eine Scratch Implementierung. Wir haben jetzt also insofern springe ich jetzt mal zehn Jahre in die Zukunft. Von 2013 haben wir zwei FSJler ein Jahr bei uns gehabt. Die haben jetzt für alle Fischertechnik Controller ne Scratch Anbindung programmiert. Okay, wir machen das jetzt einfach selber. Also alle…

[00:13:31.000] – André
Im Freiwilligen Sozialem Jahr haben die das gemacht?

[00:13:32.380] – Dirk
Genau. Die FSJler haben das gemacht, haben auch andere Sachen betreut usw., aber das war ihr großes Projekt und ist sensationell funktioniert. Wir können jetzt alle Fischertechnik Controller mit Scratch ansteuern.

[00:13:40.930] – André
Okay, wow, das ist natürlich großartig.

[00:13:42.460] – Dirk
Also, wenn es Fischertechnik halt nicht bietet, machen wir halt selber. Das ist inzwischen so.

[00:13:46.240] – André
Aber ihr habt mittlerweile ja auch einen Draht zu Fischertechnik.

[00:13:48.160] – Dirk
Wir haben einen sehr guten Draht. Wir arbeiten eng mit denen zusammen. Seit vier Jahren, also wir heißt aus der Initiative wurde zunächst mal – Wir haben erst mal Schulen oder ich habe erstmal Schulen ausgestattet und Sponsoren gewonnen und irgendwann ab der 20. Schule wurde es dann ein bisschen viel. Ich hab noch ein paar andere Hobbies.

[00:14:03.700] – André
Kommen ja auch Rückfragen irgendwann .

[00:14:04.750] – Dirk
Kommen auch Rückfragen und man muss das initiieren. Und dann gibt es Sortiermechanismen. Es gibt viel im Detail natürlich, was wir versucht haben auch zu standardisieren, damit wir die Erfahrung aus den ersten AGs dann auch transportieren wollten. Und da brauchte ich dann einfach Unterstützung. Wir haben dann beim, bei der Körber Stiftung in Hamburg bei einem Wettbewerb, MINT Wettbewerb teilgenommen, haben ersten Preis gewonnen 25.000 € und damit konnte ich eine halbe Stelle für ein knappes Jahr finanzieren. Da hatte ich einen Koordinator im Cyberforum. Im Jahr 2017 war das. Und kurz bevor das Geld ausging, habe ich einen Anruf gekriegt von einem Unternehmer hier aus Karlsruhe. Er hat gesagt, er würde jetzt gerne so in MINT investieren. Er hat gehört, ich mache da was. Ob wir mal einen Kaffee trinken können? Einen Kaffee getrunken und eigentlich so nur in der Mittagspause. Und ich habe so ein paar Sachen da gehabt. Hab ihm gerade mal ein kleines Video gezeigt. Was ein paar Fotos sind gar nicht viel eigentlich, aber ihm is Gesicht runter gefallen hat gesagt: Also was würdest du sagen, wenn ich jetzt 100.000 € gebe? Oh, da fällt mir ganz viel ein. Ja, pro Jahr. Ja, okay. Inzwischen ist er ganz tief in der Initiative drin. Also er ermöglicht zusammen mit öffentlichen Fördergeldern, die wir für einige Projekte inzwischen auch bekommen, uns fünf volle Stellen im Cyberforum, die das ganze Ding managen. Dazu kommen die zwei FSJler. Wir werden dieses Jahr voraussichtlich eine sechste Stelle besorgen und die koordinieren im Grunde den, die Weiterentwicklung, also die die Zusammenarbeit mit Fischertechnik, beispielsweise das Bestellen von dem Material – da wir da jetzt Zusammenstellungen gemacht haben, mit denen wir wissen, dass genau das, was sich eignet für eine Grundschule, das ist das, was ich eigentlich für eine weiterführende Schule. Und im Grunde geht die Initiative Initiierung von der AG relativ schnell, sobald die Schule sagt, wir haben jemand, der es macht bei Grundschulen oft Eltern, manchmal auch Jugendliche aus weiterführenden Schulen, die dann in der Grundschule als Jugendbetreuer mit reingehen. Ja, manchmal auch Lehrer, was bei der Grundschule ein bisschen schwieriger ist als bei den weiterführenden. Und sobald es gesetzt ist, also klar ist, es kommt, gucken wir, dass wir einen Sponsor finden. Manchmal geht auch der Förderverein noch ein bisschen mit rein, dann ist das Geld da und dann ist im Grunde eine Woche später die AG fertig.

[00:16:15.830] – André
Okay, das heißt, die Schule hat die Initiative, die sagt Ich möchte das gerne machen, kommt auf euch zu und ihr organisiert es dann. Die Schule selber muss aber jemanden stellen, der dann quasi der Ansprechpartner, Ansprechpartnerin auf der Schulseite ist und auch die AG oder die, das koordiniert diese.

[00:16:28.370] – Dirk
Also das ist auch wichtig, glaube ich auch ein Erfolgskonzept. Ich meine, wir haben inzwischen knapp 140 Einrichtungen ausgestattet hier in der Region. Ja, wir haben über 2000 Schülerinnen und Schüler, jede Woche zwei Stunden in MINT. Wir sind die größte MINT Initiative in Deutschland inzwischen. Das geht nur, weil wir vieles dezentral machen, ja, dadurch wird der Hebel groß, wenn wir die ganzen Betreuer organisieren würden, das wird nicht funktionieren. Wir bieten Workshops an, wenn ein Betreuer sagt, er will. Aber das Spannende ist eigentlich, dass der Betreuer oder die Betreuer in den AGs im Grunde gar nicht so viele Technikaufgaben haben, weil die Kinder machen das selbst. Die kriegen von uns Zugänge zu Material, die können sich über das Internet Unterlagen besorgen, die machen wir zugänglich. Es gibt Anleitungen natürlich, mit dem man das Material kennenlernen kann und den Rest machen wir mit Fantasie experimentieren, ausprobieren. Und das ist das Lernen, was ich mir eigentlich auch erhoffe. Und da wir jetzt auch noch mal eine zusätzliche Förderung vom Bundesministerium für Forschung bekommen haben für die MINT Region, machen wir jetzt seit diesem Jahr auch Ferienangebote mit dem Stadtjugendausschuss zusammen. Und da geht natürlich noch besser Know How Vermittlung für eine Woche. Da kann man natürlich viel mehr transportieren.

[00:17:42.500] – André
Am Stück dann eben auch. Das ist echt richtig cool. Jetzt ketzerische Frage vielleicht, warum nicht Lego?

[00:17:47.240] – Dirk
Also ja, die Frage ist wichtig, wird auch oft gestellt. Lego kann das nicht. Ja, also Lego kann vieles davon, aber nicht alles. Und Lego hat zum Beispiel jetzt gerade im Education Bereich den, ihre Controller, ihre großen Controller eingestellt, die wir eigentlich brauchen, um die Ansteuerung zu machen. Und da gibt es auch manchmal so ganz triviale Sachen. Wir haben auch jetzt noch gar nicht drüber gesprochen, haben Wettbewerbe gegründet, natürlich. Also, ich wollte die, die Beschäftigung mit Technik, die auch in meiner Jugend schon immer so ein bisschen Abseitiges war, weil es ja im Unterricht nicht stattfindet, auch so ein bisschen nerdig ist, wollte ich aus dieser Nerd Ecke rausholen. So, wie macht man das? Wusst ich nicht. Okay, machen wir Wettbewerbe. Sieger bei Wettbewerben sind cool. Also treten die AGs einmal im Jahr auf dem Schul Robotikcup gegeneinander an und die Sieger kriegen richtig ordentliche Preise. Ja, stiftet Fischertechnik. Die kriegen Orden, die kriegen Pokale. Volles Programm.

[00:18:42.460] – André
Cool.

[00:18:42.700] – Dirk
Ja, das wird natürlich dann auch in den Schulen kommuniziert. Ja, und als er nach dem dritten Schul Robotikcup den ersten Platz ein Mädchenteam vom Dominikus gewonnen hat und die Jungs vom zweiten von den Mädels aus ihrer Schule umschwärmt wurden, habe ich gewusst. Ich habe es geschafft. Auf einmal ist das sexy. Ja, das funktioniert. Und das war eigentlich eigentlich mein Ziel. Und bei diesen Wettbewerben habe ich gemerkt, dass die Lego Controller das nicht leisten, was wir brauchen. Ganz primitiv. Einer der Wettbewerbe ist ein selbstfahrendes Auto, was selbstständig einparken kann. Das bauen die mal eben. Ja, da brauchen – Automobilindustrie braucht ein bisschen länger für so was. Okay, die müssen auch andere Bedingungen erfüllen. Aber jedenfalls die bauen das in ein paar Monaten und dann brauchen der Blinker. Der Controller von Fischerte – von Lego kann keine Blinker ansteuern. Da gibt es nämlich keine Lämpchen, fertig. Ja, das kann man zwar irgendwie hin basteln. Aber das reicht halt nicht. Man kann auch nur drei Motoren ansteuern. Für einige der Aufgaben braucht man vier Motoren. Fischertechnik steuert vier Controller an. Man kann die Controller auch noch addieren, das heißt, man kann im Grunde beliebig viele ansteuern. Es gibt so viele technische Einschränkungen im Detail. In der Mechanik, also getrieben usw., Ist Lego groß, sie können das auch gut. In der Konstruktion von Modellen wie Statik zum Beispiel sind sie schwach. Ich meine, wer baut ein Auto indem er Steine übereinandersetzt?

[00:20:02.930] – André
Ja sicher. Genau. Versteh ich.

[00:20:03.260] – Dirk
Kann man machen. Das ist – Dann hat das natürlich nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun. Und das ist im Grunde der Grund gewesen, warum wir gesagt haben, Fischertechnik ist viel näher an der echten Welt, auch wenn es nicht so bekannt ist, auch wenn die Lernkurve nicht ganz so…

[00:20:17.090] – André
Explosiv ist.

[00:20:18.410] – Dirk
Steil ist. Also man braucht eine Weile, um das alles kennengelernt zu haben, aber es gibt wenig Spezialteile. Die Teile sind seit der Erfindung 1965, sind die kompatibel. Das heißt, wenn man auf dem Dachspeicher, noch was vom Vater findet oder von den Eltern, Großeltern, kann man das sofort verwenden. Und bei Lego gibt es inzwischen eine starke Tendenz hin zu Spezialteilen. Die haben Tausende von Teilen, während Fischertechnik nur ein paar 100 hat und damit sind die eben sehr vielseitig einsetzbar. Das waren damals die Gründe, die aus meiner Sicht technisch ganz klar für Fischertechnik gesprochen haben.

[00:20:50.120] – André
Ihr habt dann quasi an der einen Schule angefangen. Ihr habt auf das richtige technische Pferd gesetzt und dann ist es quasi explosiv gewachsen.

[00:20:55.670] – Dirk
Also am Anfang sind halt Schulen auf uns zugekommen, meist getriggert von Eltern. Das habe ich – die, die, den Hebel habe ich ganz unterschätzt, weil wir natürlich viele IT Unternehmen haben. Also haben wir viele IT Mitarbeiter in Karlsruhe, auch viele IT Eltern. Und die gucken natürlich danach, dass die Kinder auch was lernen in dem Fach, was Zukunftsbedeutung hat.

[00:21:13.970] – André
Was vielleicht den Eltern auch Spaß macht.

[00:21:15.470] – Dirk
Genau. Und dann kamen noch, noch ergänzende Effekte. Also am Anfang haben es schon einige Schulen sich für das Thema nicht interessiert. Aber nachdem die Schüler, Schülerinnen aus der Grundschule mit IT Kenntnissen kam, wurde es dramatisch, weil an jedem Tag der offenen Tür, die Kinder, die aus einer Fischertechnik AG an der Grundschule kamen, natürlich als erstgeguckt haben, wo es die Fischertechnik AG an der weiterführenden Schule, auf die sie wechseln sollen.

[00:21:37.800] – André
Logisch.

[00:21:38.040] – Dirk
Ja. Und nachdem dann einige Rektoren an einem Tag der offenen Tür mehrfach die Frage gekriegt haben: Wo ist denn eure Fischertechnik AG? Und sie nein sagen mussten, haben sie bei uns angerufen. Inzwischen haben wir alle Schulen, also das – es hat dann so ein Selbsteffekt generiert, dass die Schulen gesagt haben, okay, ohne Fischertechnik AG ist man hier einfach verloren.

[00:21:54.600] – André
Man, die was, die bauen, ich habe es ja auch schon gesehen. Ist ja auch einfach cool. Ein Roboter oder so ein Auto oder so sind halt Eyecatcher, wenn wir reinkommen auf diese Infotage an den Schulen, stehen die auch gleich da. Ganz vorne die, die Nerds quasi mit ihren coolen Autos. Was, was für Modelle sind dir da so in Erinnerung geblieben. Gab es da besonders coole Sachen, die gebaut worden sind?

[00:22:12.750] – Dirk
Super coole Sachen. Also diese einparkenden Fahrzeuge. Da sind ganz tolle Sachen rausgekommen, aber auch eine, ein Modell, was ganz am Anfang zwei Schüler, ein Schüler und ne Schülerin in Bismark AG über zweieinhalb Jahre entwickelt haben. Das hat natürlich sofort eigentlich nach ein paar Monaten funktioniert, aber man muss ja verbessern. Also eigentlich meine Idealvorstellung. Die haben die Turmbergbahn nachgebaut mit optischer Weiche. Ja, wer das nicht kennt, soll das mal nachschlagen. Die Kinder haben das nachgerüstet. Ja, es war richtig, richtig spannend. Und das war ein ganz tolles Modell. Also hatte nur einen Motor und ansonsten war das alles Mechanik ohne Programmierung.

[00:22:48.030] – André
So eine Zahnradbahn ist das.

[00:22:49.800] – Dirk
Ja. Also, ne Seilbahn.

[00:22:50.340] – André
Für die, die nicht aus Karlsruhe kommen und zu hören.

[00:22:51.750] – Dirk
Also ohne Zahnrad, aber ist ne Seilbahn. Aber eben mit optischer Weiche und die gibt es nicht mehr so oft in Deutschland. Es gibt in Heidelberg noch eine. Aber optische Weiche was ziemlich genial ist, nämlich eine Weiche, die gar keine ist. Also super mechanisch, super genial, wartungsfrei und so. Das haben – hat die, die Gruppe gebaut. Und dann hatten wir eine ältere Gruppe auch von einem Schüler, der ab der fünften Klasse in der AG war. Der hat dann in der zehnten Klasse, weil ihm das Sortieren nach dem Auseinanderbauen von den Modellen, das Sortieren von den Teilen, was wir sehr konsequent machen, damit die Kinder immer wissen, wo sie die Bauteile finden, jeweils. Das Sortieren hat ihn genervt und da hat er eine Sortiermaschine gebaut mit KI, also Kamera. Erkennung, ja, trainiert. Ja, er hat den Baustein erkannt, der lief hinten raus und wurde dann in Kästen einsortiert. Automatisch. War der absolute Brüller. Da haben die natürlich alle Lehrer in der Schule links überholt.

[00:23:41.970] – André
Ja, super. Mega.

[00:23:43.680] – Dirk
Und das sind so grandiose, grandiose – Aber das nur zwei Beispiele aus einer Unmasse an Sachen, die, die Kinder übertreffen sich da gegenseitig. Und was man natürlich sehen muss jedes Modell ist für das Kind individuell einfach ein gigantischer Fortschritt. Das ist einfach dieses – das ist vielleicht das Wichtigste. Also wir gucken von außen drauf und sagen ist ja beeindruckend. Aber jedes Modell, was beim Draufgucken vielleicht einfach auf den ersten Blick erscheint, ja, das ist aus ganz viel im Grunde Lernprozess entstanden. Fehler funktioniert nicht, instabil, muss ich umbauen. Da stecken im Detail so viele mit Konzentration erarbeitete Entscheidungen drin. Dass man das auf den ersten Blick gar nicht gar nicht erkennt. Und das ist eigentlich das Spannende. Jedes von diesen, von diesen Werken, die die Kinder erzeugen, ist für sich ein Kunstwerk.

[00:24:31.010] – André
Man sieht ja auch, wenn die das dann präsentieren. Wir waren da auf deinem MINT Festival. Kannst du noch was zu sagen da? Die waren ja alle richtig stolz. Oder auch der Frust, wenn es nicht funktioniert. Das ist ja quasi einfach sehr bodenlos.

[00:24:41.270] – Dirk
Richtig.

[00:24:41.630] – André
Ja, schon die Identifikation mit den, mit den Produkten ist schon extrem.

[00:24:46.220] – Dirk
Und dadurch erleben die Kinder, das ist halt auch Teil dieses Konzepts, sie erleben Selbstwirksamkeit, wie man das heute so schön nennt. Also die – das ist nicht der Klassiker in der Schule, du kriegst eine Aufgabe gestellt. Es gibt nur eine richtige Lösung und wenn die richtige Lösung hast, hast du die richtige Lösung. Was hast du jetzt gewonnen? Was hat das mit dir zu tun, außer dass du…

[00:25:01.940] – André
Das wieder gegeben hast.

[00:25:02.450] – Dirk
…dressiert das gemacht hast, was von dir erwartet wurde. Ja, da produzieren die Kinder was, was danach funktioniert und was sie sich in ihrem Kopf ausgedacht haben. Ja, die haben das irgendwo gesehen, haben gesagt: Okay, ich will das jetzt und dann kriegen die das hin. Und für mich ist auch – Also gibt es ja eigentlich zwei Freiheitsgrade in diesen Lösungen, die die Kinder bauen. Das eine ist der, der – die Vertikalen nenne ich das ganz gern. Andersrum die horizontalen Freiheitsgrade, dass man sagen kann, man kann so bauen oder so bauen oder so bauen. Das heißt, für jede Aufgabenstellung gibt es viele Lösungen nebeneinander. Und dann gibt es aber auch die Vertikale. Das heißt, ich kann es immer komplexer machen. Ja, ich kann ganz simpel anfangen.

[00:25:39.800] – André
Optimieren einfach.

[00:25:40.790] – Dirk
Und kann dann einen draufsetzen, noch einen draufsetzen. Die Sortiermaschine, die kann vielleicht ein Teil erkennen. Irgendwann kann sie alle Teile erkennen. Dann kann ich sie optimieren, dann kann ich sie schneller machen, was auch immer. Also ich kann ganz viel tun, um aus dem Ding noch mehr zu machen und diese, diese vertikale Flexibilität in der Beantwortung ihrer selbst gestellten Aufgaben, die ist eigentlich das Tolle.

[00:25:59.720] – André
Ja, Wahnsinn.

[00:26:00.020] – Dirk
Weil dadurch jede Aufgabe und jede Lösung, die die Kinder bauen, sich automatisch an das anpasst, was sie mitbringen. Ja, sie haben am Anfang vielleicht eine zu illusorische Vorstellung, was sie hinkriegen. Dann merken sie: Oh, da tauchen viele Schwierigkeiten auf, dann wird es ein bisschen eingedampft das Ziel. Ja, aber nicht aufgegeben und dann wird eine vertikal einfachere Lösung gebaut und wird danach dann verbessert mit dem, was Sie dann dazulernen und dazugewinnen und darauf setzen. Und das hat zum Effekt, dass wir auch zum Beispiel keine Altersgruppen bilden, sondern die Kinder bauen, so nach…

[00:26:32.840] – André
So nach Interesse.

[00:26:33.590] – Dirk
Interesse und Erfahrungen und Kenntnissen usw. bereits vorhanden ist. Und so bilden sich dann auch Gruppen, die dann oft auch altersübergreifend sind.

[00:26:40.970] – André
Hast jetzt zehn Jahre hinter dir mit der technika, wenn ich es richtig gesehen habe. Du hast eine riesen – Also ganz viele Schulen aggregiert. Du hast eine Organisation dahinter aufgebaut. Das ganze ist jetzt nachhaltig. Wohin geht die Reise jetzt? Hast du noch Ziele oder ist quasi jetzt alles erreicht?

[00:26:53.210] – Dirk
Also eigentlich ich sage ganz gerne, wir haben eigentlich erst angefangen, das ist eigentlich noch – Also wir haben vor Anfang der Corona Zeit hat Fischertechnik uns angerufen, hat gefragt, ob wir sie unterstützen können bei didaktischem Material für Schulkästen. Und inzwischen haben wir über 20 Kästen für die entwickelt. Das sind einige jetzt schon im Handel.

[00:27:10.730] – André
Also hat Fischertechnik das jetzt quasi so, als Produkt, als Geschäft.

[00:27:14.420] – Dirk
Genau dafür sind wir auch bezahlt worden. Aber das ist auch nur ein Teil der Refinanzierung der Initiative. Und da haben wir Ehrenamtliche aus ganz Deutschland gewonnen, die selber Ingenieure, Mathematiker, Physiker usw. sind und quasi mit ihrem professionellen Hintergrund Kästen Design gemacht haben. Es sind sensationelle Dinge drausgekommen, die vom Niveau her das alles nach oben katapultiert haben. Und meine Erwartung und Hoffnung ist, dass wir jetzt über diese Kästen quasi in den Lehrbetrieb reinkommen.

[00:27:43.310] – André
Also aus AG raus, ins Pflichtprogramm.

[00:27:45.650] – Dirk
Richtig, das praktisch die AG der Bereich ist, in denen die Kinder ihre eigenen Vorstellungen, also alles das, was wir bisher an Ziel haben, bleibt in der AG. Aber natürlich lernt man in der Schule Dinge und natürlich kann man die Dinge, die wir in der Schule, in der Physik oder in Naturwissenschaft und Technik oder ähnliches lernt, kann man auch in der AG bei seinen eigenen Produkten und Lösungen nachher wieder verwenden. Idealerweise verwendet man aber da vernünftiges Material und vernünftige Aufgabenstellung. Also eines der Themen, das wir zum Beispiel angefasst haben, ist ein Kasten, gerade von einem Professor aus Bochum in Arbeit. Der wird jetzt demnächst in den Handel kommen. Das ist ein Optikkasten, mit dem man seine optische Bank vor sich auf dem Schulplatz aufbauen kann. Also nicht das, was du noch aus dem Physikunterricht kennst. Vorne so ein riesen Aufbau, wo der Physiklehrer Abrakadabra macht, so…

[00:28:30.920] – André
Mit Lichtbrechung…

[00:28:31.070] – Dirk
Mit Licht usw. Lichtbrechung usw. Und da passiert irgendwas und du siehst das dann quasi von einem Schülerplatz und kann zugucken. Also du hast Unterhaltungsprogramm vorne, sondern du baust das Ding auf deinem Platz auf. Ja, und das kann man mit dem Material und das ist spottbillig im Vergleich zu dem Zeug, was in vielen Schulen als Lehrmaterial eingekauft wird, um das da gewichtig vorne aufzubauen.

[00:28:51.830] – André
Ja, so exklusiv und eher mit so einer…

[00:28:54.650] – Dirk
Und das ist die Idee. Wir haben jetzt sogar eine Idee für ein Mathematikbuch mit Fischertechnik, in dem mit Modellen Mathematik gemacht wird.

[00:29:03.890] – André
Ich sehe schon…

[00:29:05.120] – Dirk
Also da gibt es ganz viele, viele Ideen. Also ich will in den Unterricht über Material. Es gibt in Baden-Württemberg gerade eine große Initiative, Robotik in die Grundschulen zu bringen, was komplett auf unsere Linie geht. Mit ein bisschen Glück und Spucke sind wir dabei.

[00:29:18.210] – André
Also aus der Technologieregion heraus richtig ins Land, Umland zu gehen.

[00:29:21.360] – Dirk
Ins Land zu gehen, um das in den Unterricht reinzubringen. Und mein Langziel ist natürlich, diese Know How Entwicklung zu ändern, also die Tatsache, dass sie auf meinen ersten Blick die Schule das nicht gelehrt hat, was wir eigentlich in Zukunft brauchen, die gilt ja nach wie vor. Ja, die ist nicht so richtig viel besser geworden, letzten 20 Jahren. Das hat – habe ich dann nach ner Zeit verstanden, damit zu tun, dass die meisten Fächer in der Schule heute auch noch so unterrichtet werden können wie vor 100 Jahren. Da ist nicht so viel passiert. Also Latein, okay, ist ne tote Sprache, da passiert sowieso nicht mehr viel. Ja, da kann man nicht viel anderes machen, als die Schrift im Lehrbuch anders einzufärben. Ja, so Mathematik ist auch der gleiche Stoff, den man auch vor 50 Jahren schon gelehrt hat. Da muss man sich keine Beine ausreißen, irgendwas neu machen. Aber der gesamte Bereich Technik und Informatik hat eine Halbwertszeit von wenigen Jahren. Das heißt, was wir heute machen, das ist in drei Jahren, in vier Jahren ist das kalter Kaffee. Das heißt, wir brauchen da eigentlich eine ganz andere Methodik. Denn der Klassiker ist: Schüler gehen auf die Schule, beschließen danach Lehramtsstudierenden. Studieren sie Lehramt. Ja, dann…

[00:30:31.590] – André
Schließt sich der Kreis quasi.

[00:30:32.970] – Dirk
Genau mit dem Gleichen, was sie in der Schule gelernt haben. Mit den gleichen Methoden und den gleichen Inhalten gehen sie wieder in die Schule. Wenn ich jetzt mit einer Halbwertszeit oder zumindest einer Überarbeitungsbedürftigkeit der Inhalte von 3,4,5 Jahren arbeite. Dann klappt das ja gar nicht. Wo sollen die Lehrer herkommen, die das können? Das heißt, wir brauchen andere Methoden. Wir brauchen Methoden, in denen die Lehrer trotz aller Weiterbildungen, die es natürlich gibt, die Lehrer auch hinnehmen können, dass die Kinder mehr können. Ja, also wir brauchen was, sozusagen Wissen aus Makerbereichen zum Beispiel oder aus der Informatik einfach rein fließen können in die Schule, so dass die Schüler sich das aneignen, idealerweise intrinsisch und dann der Lehrer damit lernt.

[00:31:11.580] – André
Eher Methodenkompetenz? Moderation, so.

[00:31:14.400] – Dirk
Ja, das ist dann eher eine Lernmoderation und gar nicht mehr das klassische Vortanzen, das wir in der Schule haben, und viele andere Methoden, die wir im Moment in der Schule aus ihrer 100 Jahre alten Struktur haben, sind ohnehin überholt, für viele Fächer. Also zum Beispiel dieses Einteilen in 45 oder 90 Minuten Einheiten. Was ist das für ein Unsinn? Also in der AG lernen die Kinder das genaue Gegenteil, nämlich Flow. Ja, die setzen sich da hin und arbeiten. Und wenn da nicht irgendwann der Hausmeister das Licht abschalten würde, würden die auch noch am nächsten Morgen da sitzen, an ihrem Modell bauen. Ja, und dieser Flow ist nachher der Schlüssel. Das ist nachher das, was nachher die genialen Ergebnisse bringt. Das weiß jeder, der schon mal was Geniales für sich, für die Welt erfunden, gebaut hat.

[00:31:56.340] – André
Dein Lebensziel ist, das Schulsystem komplett umzukrempeln.

[00:31:58.860] – Dirk
Das ist, das ist mein Langziel. Ja, da müssen wir hinkommen. Und deswegen kooperiere ich auch mit vielen, die das hier in Karlsruhe angehen, auch Lehrern oder Schulleitern, die innovativ gehen. Dann machen wir Experimente mit denen zusammen. Da muss es meiner Ansicht nach hin, weil die Technik das erzwingt. Also wenn wir Technik, Bildung haben wollen, die wir brauchen, dann brauchen wir auch andere Methoden. Und das wir die brauchen ist auch klar. Also vielleicht ist es glaube ich, vielen nicht klar. Die Bundesagentur für Arbeit hat vor vier Jahren Zahlen über den Anteil der MINTBeschäftigten von allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland veröffentlicht. Das sind deutschlandweit 30 %. 30 %, Baden-Württemberg sogar mehr 34 %. Das heißt jeder dritte Schulabgänger wird später in einem MINT Beruf arbeiten. Und MINT ist wirklich ganz klar, das sind auch Ausbildungsberufe dabei, natürlich ganz klar Technik, Mathematik, Naturwissenschaften ist der kleinste Teil und die Informatik.

[00:32:57.020] – André
Und daher zu deinem ursprünglichen Punkt zurückzukommen. Das müssen wir aus – das ist ja der Rohstoff den wir liefern können.

[00:33:01.100] – Dirk
Genau. Das kann ja auch gar nicht sein, dass im Grunde dieses Drittel quasi fachfremd arbeitet. Die kriegen quasi in der Schule die Kompetenz dafür nur in Teilen indirekt mit, aber nicht ganz konkret. Also wenn ich sage, das sind 30 %, dann müsste das ja eigentlich auch dem Anteil entsprechen im Unterricht. Davon sind wir weit entfernt.

[00:33:21.050] – André
Auf jeden Fall. Aber ich sehe schon, da hast du noch ein ganz großes Ziel. Und wenn du dann wirklich in ein paar Jahren in Pension gehen solltest, wirst du dich wahrscheinlich da voll einbringen, oder?

[00:33:30.620] – Dirk
Ja, also das weiß ich noch gar noch nicht genau. Also im Moment stecke ich da auch schon viel, viel Zeit rein. Ich werde es ganz sicher auch weiterhin tun. Aber diese, diese neue Schule hat natürlich auch mit Wissenstransfer zu tun. Da experimentieren wir viel. Wir haben jetzt mit Lernvideos begonnen. Wir werden mal gucken, wie wir im Grunde auch die – das Kernwissen, was man in der Technik gar nicht in der Schule vermittelt, wie man das vielleicht ganz kondensiert in einfachen Einheiten verpackt, damit die Schülerinnen und Schüler, die das brauchen, für ihre Modellentwicklung, sich das auch selbst beibringen können. Also wir gehen ganz klar auf Selbstlernmethoden. Und so sind auch die Kästen angelegt, die wir für Fischertechnik entwickelt haben. Also die müssen auch mit dem Lehrer funktionieren, der Technik nicht kann. Also ganz banal: Wir haben in den Grundschulen überwiegend Lehrerinnen. Ja, die kommen aus einer Generation, wo Technik relativ weit weg war von Frauen. Ja, es ist schon per se unerfreulich, aber in der Wirkung natürlich noch unerfreulicher, weil die Frauen jetzt natürlich in einem Beruf sind, wo es gerade aus meiner Sicht jedenfalls wichtig wäre, dass wir in der Grundschule Lehrerinnen, Lehrer haben, die technikaffin sind. Weil dann würden sie mehr in ihrem Unterricht einbringen. Das heißt, in Grundschulen haben wir ein Riesenproblem. Ja, das ist, gar nicht so einfach. Selbst wenn wir Curricula ändern würden oder ähnliches, haben wir gar nicht die Personen, die dazu eine Neigung haben in den Schulen, noch weniger als in den weiterführenden Schulen.

[00:34:56.180] – André
Okay, also ich sehe die Aufgaben bleiben dir auf jeden Fall erhalten. Auch in den nächsten Jahren noch.

[00:34:59.300] – Dirk
Unbedingt. Ich bin jetzt natürlich noch nicht der Einzige, der sich mit dem Thema beschäftigt. Es gibt viele MINT Initiativen in Deutschland sehr, sehr viele, ja, aber die meisten Initiativen, das habe ich immer versucht, anders zu machen. Und das ist vermutlich auch der Kern des Erfolgsrezept, dass wir nicht ein Projekt machen, wo wir sagen: Jetzt lernen wir, einen Arduino zu programmieren. Dafür muss man schulen, man muss Material kaufen, dann macht man das durch und dann ist zu Ende. Ja, unser Projekt ist quasi unlimited. Wir machen…

[00:35:25.070] – André
Open Source.

[00:35:25.880] – Dirk
Genau, ist quasi Open Source. Das Material kommt rein und was draus wird, machen die Kinder und das Material funktioniert auch noch morgen. Und das funktioniert auch für komplexere Lösungen, für einfache Lösungen. Und wir steuern von der Seite Wissen zu, was die Kinder davon verwenden, ob sie dann nachher ein KI gesteuertes Irgendwas machen oder ob sie irgendwas Mechanisches bauen oder irgendwas mit der Kurbel antreiben. Das entscheiden die Kinder.

[00:35:45.710] – André
Im Zweifelsfall ein Monstertruck. Zumindest meiner würde das machen.

[00:35:48.290] – Dirk
Genau. Genau, perfekt.

[00:35:49.490] – André
Ja, super cool dann. Vielen lieben Dank für deine Zeit für dieses ausführlichen Bericht zur technika und wir sind gespannt, wie es bei dir weitergeht. Ich hoffe, du bleibst uns ganz lange in den Ehrenämtern und vor allem der Technik natürlich erhalten. Hier.

[00:36:01.220] – Dirk
Ja ganz ganz herzlichen Dank!

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