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Staffel 1
Episode 3
Host dieser Episode:
Stephan.Sperling
Stephan.Sperling
Gäste in dieser Episode:

Weniger Technik und mehr Marketing im E-Commerce

In dieser Folge geht es um einen oft unterschätzten Faktor im E-Commerce: das Marketing für Online-Shops. Host Timo interviewt heute zwei Experten von der boxwise GmbH: Stephan und Andreas. Die beiden bringen jahr(zehnte)lange Erfahrung mit aus dem technischen Hintergrund mit und erklären genau, was Du vor der Auswahl eines Online-Shops wissen musst und warum Du deinen Fokus schnell aufs Marketing legen solltest.

 

💡 Links zu allen Themen, die in der Folge erwähnt werden:

Transkript

🚀 Das Wichtigste im Überblick:

Wahl des Shopsystems: Es wird betont, dass die Auswahl eines effektiven und funktionierenden Shopsystems essenziell ist. Dies beinhaltet die Berücksichtigung von Benutzerfreundlichkeit und die Vermeidung unnötiger Kosten für übermäßig komplexe Systeme.

Budgetierung: Die Diskussion hebt hervor, dass weniger Ausgaben für die Technik ermöglichen, mehr Budget in Marketing und Kundenakquise zu investieren, was für den Erfolg eines Online-Shops entscheidend ist.

Marketing und Kundenakquise: Der Fokus liegt auf der Bedeutung von Google (bezahlt und organisch) für den Traffic und die Umsatzgenerierung. Es wird empfohlen, mit Google zu beginnen und bei Erfolg den Marketingkreis auf weitere Kanäle auszuweiten.

[00:00:07.530] – Timo
Dann starten wir mit der nächsten Podcast Episode heute. Herzlich willkommen! Ich bin Timo, der Host vom netzstrategen Podcast und freue mich sehr, dass heute meine beiden lieben Kollegen Stephan und Andreas zu Gast sind. Von der boxwise GmbH oder von der netzstrategen GmbH. Beide sozusagen. Wir haben ja verschiedene Marken bei uns und wir widmen uns heute dem Thema E-Commerce. Das ist so euer Steckenpferd, worum ihr euch kümmert. Speziell beim E-Commerce möchten wir heute ein bisschen über die Technik und Budgets reden. Weniger Technik, mehr Marketing. So haben wir mal den Arbeitstitel genannt und so starten wir jetzt direkt kurz eine kleine Vorstellungsrunde. Noch mal wer, wie, was macht. Stephan, ein, zwei Sätze zu dir und dann steigen wir mit dem Thema ein.

[00:00:51.480] – Stephan
Jawoll! Herzlichen Dank für die Einladung heute. Ich mache E-Commerce seit vielen, vielen Jahren. 2002, 2003, die ersten Onlineshops gebaut und seitdem lässt mich das Thema nicht mehr los. Und in all den Jahren sind viele, viele Millionen für Shoptechnik über den Tisch gegangen in den verschiedensten Projekten. Und heute bin ich eben der Meinung, die Shops sind so gut, so ausgereift, ich muss nicht mehr so viel Geld in Technik investieren, muss aber gleichzeitig viel, viel mehr Geld ausgeben, um meinen Shop erfolgreich zu machen. Und das ist so ein bisschen unser Fokus in der boxwise, dass wir sagen spar bei der Technik, dann hast du mehr Budget, um deinen Shop erfolgreich zu machen.

[00:01:29.850] – Timo
Apropos Technik gutes Stichwort. Neben dir sitzt der TechNICK. Dieser kleine Wortwitz muss einfach sein. So steht es auch in deinen Intro Slides, wenn ich mich recht erinnere. Ja, Andreas, ein, zwei Worte zu dir.

[00:01:40.920] – Andreas
Zu mir, ich bin Projektmanager aus Leidenschaft, habe von der Pike auf quasi die Informatik nicht studiert, aber gelernt an der Stelle. Habe vom Strippenziehen angefangen und bin mittlerweile voll überzeugt in den verschiedenen Rollen. Überall da, wo es um Schnittstellen geht und eben auch um technische Themen. Von dem her heute auch mit einem technischen Thema unterwegs, nämlich den Landing Pages.

[00:02:06.690] – Timo
Wunderbar. Da widmen wir uns auch gleich dem Thema. Jetzt steigen wir mal mit dem E-Commerce Thema noch mal ein. Stephan, du hast ja jetzt gerade mal die Jahreszahl 2002 in den Raum geworfen. Das ist ja schon ein recht langer Zeitpunkt. Jetzt sind die letzten Jahre auch viele Shopsysteme entstanden, die auch so ein bisschen aus der sich für die Allgemeinheit schnell umsetzen lassen wie Shopify und co. Wir sind jetzt, wenn ich das weiß ich ja das wir mit WordPress und in der WooCommerce Umgebung unterwegs sind. Die technischen Anforderungen an den Shop heutzutage wie wie manifestieren die sich und wie haben die sich auch die letzten Jahre verändert? Beziehungsweise was muss ein Shop heute wirklich auch können?

[00:02:48.210] – Stephan
Ja ein Shop muß halt in erster Linie verkaufen. Das ist mal das Wichtigste. Mir bringt der schönste beste Shop nichts, wenn er nicht verkauft. Und das ist so ein bisschen das Problem, auch bei der Auswahl eines Systems. Das weiß ich halt vorher auch nicht unbedingt. Das heißt, da braucht es viel Erfahrung. Es gibt Shopsysteme wie Sand am Meer. Ich kann mir auch selber einen Shop programmieren lassen, wenn ich ganz viel Geld übrig habe und es nicht so wichtig ist, dass da was zurückkommt. Aber ja, das Entscheidende ist im Prinzip, dass ein Shop funktioniert und funktioniert im Sinne von Verkaufen. Und da macht Shopify zum Beispiel du hast es gerade angesprochen, einen sehr, sehr guten Shop. Die haben halt den perfekten check out. Da bleibe ich nicht hängen, da komme ich gut durch. Das ist zum Beispiel eine ganz, ganz wichtige Komponente, die da, die da reinspielt. Das macht für mich den perfekten Shop aus. Das, das ich darüber erfolgreich verkaufen kann?

[00:03:36.610] – Timo
Ja. Ist das auch so, dass die diese Messlatte von. Was den Verkauf angeht wenn ich jetzt an Amazon und Co. Denke, einfach dieser so eine Messlatte richtig setzt im Sinne von der check out muss smooth sein, es muss alles bequem und schnell und gut laufen. Ich muss die Informationen finden. Können kleinere Shops oder generell Shops diesen Anforderungen auch gerecht werden mit anderer Technik?

[00:04:00.600] – Stephan
Ich denke schon, weil weil halt so ein Shopsystem im Prinzip ja eben zum Beispiel einen check out mitbringt und wenn ich nicht den Anspruch hab, mein check out muss, völlig anders funktionieren als alle anderen check outs auf dieser Welt, kann ich in aller Regel zum Beispiel so ein Shopify check out, aber auch von WooCommerce den check out kann ich einfach verwenden und dann ist ja schon mal gut. Das sind so viele Jahre in Entwicklung, Erfahrung reingeflossen, dass ich sagen kann, damit kann ich mit gutem Gewissen arbeiten, ohne dass ich Angst haben muss, dass das nicht funktioniert. Ich rate eher davon ab, sich selber lustige Dinge auszudenken und zu sagen Bei mir muss aber alles anders funktionieren. Das ist im E-Commerce genau das Falsche. Du hast gerade Amazon angesprochen. Jeder von uns weiß, wie ich bei Amazon einkaufen kann, wie das funktioniert, wie der check out ist. Warum sollte ich davon abweichen? Von etablierten Prozessen, die in den Köpfen der Menschen drin sind? Gelernte Verhaltensmuster, die da, die da ablaufen, will ich ja gar nicht aufbrechen und überraschend sein. Das ist manchmal das Argument Ich will ja die Nutzer überraschen, ja, aber bitte nicht im check out oder du kannst ihn mit deinem Produkt überraschen. Du kannst mit gutem Content überraschen, aber alles, was Richtung Kauf dann geht, muss halt irgendwie für den Nutzer vertraut am besten sein, damit er dann schnell und einfach durch diesen check out kommt und dann auch den den Warenkorb bei dir auscheckt und nicht woanders.

[00:05:17.460] – Timo
Okay. Frage an euch beide. Wir sind jetzt in der WordPress, WooCommerce Umgebung primär einfach unterwegs. Das was ihr auch tut. Jetzt möchte ich, ich bin jetzt mal in der Rolle, ich möchte einen Shop haben und komme jetzt mit euch ins Gespräch. Und welche, welche, welche technischen Anforderungen gibt es Mindestanforderungen oder wo man sagt so den die Plugins braucht man jetzt auf jeden Fall um als Basis zu starten und, und vieles ist on top. Ich habe mal auf der Seite geguckt, da sind ja wirklich über 150 Plugins, wenn ich die Zahl richtig im Kopf habe, die da mittlerweile verfügbar sind und wo wir auch wieder viel tut, könnt ihr da noch mal erklären, was da so Basics sind? Auch gerne Andreas. Dann werf ich euch die Bälle einfach zu.

[00:05:56.730] – Stephan
Ich würde vielleicht kurz anfangen, bevor ich dann zu Andreas übergebe. Weil wenn du, wenn du zu uns kommst und sagst, du hättest gerne einen Shop, sprechen wir gar nicht über Technik als allererstes, sondern wir gucken uns ja erst mal an was ist das Produkt, das du da hast, das du verkaufen willst? Hast du schon einen Shop oder fängst du bei null an. Wenn du einen hast, auf welcher Basis bist du gerade unterwegs? Was können wir daraus lernen? Was können wir daraus ableiten? Wenn du noch nichts hast, gucken wir uns auch erstmal den Markt an und schauen Was machen andere da draußen? Wir gehen mit dir ins Gespräch, wollen rausfinden, okay, du willst jetzt vielleicht kleinen starten, aber wo siehst du dich denn in fünf Jahren? In zehn Jahren? Also wo entwickelt sich das Ganze auch hin? Weil du ja dann wieder in die Technik gedacht, nicht alle paar Jahre umziehen willst. Und sagen wir so jetzt fange ich auf der grünen Wiese wieder an und baue mir nen neuen Shop, weil der alte meinen Anforderungen nicht mehr genügt. Deswegen entwickeln wir mit dir zusammen erst mal ein Anforderungsprofil und auch so eine, zumindest eine grobe Roadmap, um zu wissen, wo könnte es denn mal hingehen und was könnten denn die maximal Anforderungen in den paar Jahren, in zwei Jahren, in fünf Jahren sein, um sich da nicht hinterher irgendwie falsch festzulegen, auf ein falsches Tech Stack zu springen und dann sich zu ärgern hinterher? Das ist leider was, was oft passiert, dass Leute bei den ganz, ganz einfachen Shops anfangen. Es gibt da draußen ja jeder Hoster hat einen Shop im Programm für irgendwie 1,99 € im Monat. Die eignen sich halt sehr, sehr schlecht, weil sie extrem unflexibel sind und ich dann halt sehr schnell umsteigen muss auf andere Technik und dann praktisch wieder neu anfangen muss. Bei null anfangen, die haben oft keine Exportfunktion usw. Und dann bringt mich das nicht weiter, sondern verursacht in jedem Entwicklungsschritt neue Kosten Und im schlimmsten Fall noch mal komplett bedeutet von vorne anzufangen. Deswegen erst Anforderungen definieren, eine gewisse Roadmap aufzeichnen und dann entscheiden, was, was was, was die technische Basis dafür sein kann und was, was sich da anbietet, was da optimal wäre.

[00:07:42.360] – Andreas
Ich greife mal die Zahl der 150 Plugins auf, die du gerade in den Raum geworfen hast, so schön. Da geht es natürlich auch nicht nur um Shop Funktionalitäten. Also es geht nicht nur darum, quasi den Shop zu erweitern, sondern auch die Schnittstellen Prozesse dahinter abzubilden. Und da sind natürlich auch noch mal eine Vielzahl von Plugins, die ich brauche, die sehr individuell sind, je nachdem, was ich für eine Supply Chain habe dahinter was für Systeme habe ich angekoppelt. Eine Warenwirtschaft, ein CRM, all diese Systeme, die dahinter hängen und die mir noch weitere Insights bieten oder eben die Abwicklung der ganzen Prozesse dahinter. Das muss natürlich auch alles ineinander greifen. Weswegen gerade solche One Click Shopsysteme. Auf den ersten Blick vielleicht attraktiv sind. Aber wenn dann im Haus nach irgendwo noch eine AS400 rumsteht, die dann angebunden werden muss, dann kippt das Ganze sehr schnell linksseitig weg und ich fange wieder von vorne an.

[00:08:32.960] – Timo
Was steht da? Das musst du mir erklären. Ich frage hier einfach Wir sprechen hier miteinander.

[00:08:37.460] – Andreas
Also ein etwas älteres Modell einer Buchhaltungssoftware.

[00:08:42.860] – Stephan
Das sind so alte IBM Rechner mit Bildschirm. Schwarzer Hintergrund mit Grün.

[00:08:47.390] – Timo
Ja, die kenne ich auch.

[00:08:48.890] – Stephan
Das gibt es auch heute, im Jahre 2022 noch solche Systeme. Und wenn du das anbinden musst, ist auch nicht besser oder schlechter als ein SAP zum Beispiel anzubinden, was wir auch schon gemacht haben. Aber das muss man halt irgendwie vorher wissen und dann brauche ich halt entsprechende Erweiterungen dazu, die mir das auch ermöglichen. Und das Shopsystem grundsätzlich muss ja so offen sein, das es das überhaupt erlaubt. Das ist das, was Andreas gerade gesagt hat. Wenn ich da auf einem dieser Minishopsysteme unterwegs bin, das kann ich vergessen, dass ich da was größeres irgendwie anbindet, sondern da kann ich halt, das ist mehr ein Spielzeug, aber kein, kein ernstes, kein ernstes Ding.

[00:09:26.000] – Timo
Also pro Tipp nicht auf ein… Ich nenne sie mal 1 € Shops setzen.

[00:09:29.930] – Stephan
Ja, genau.

[00:09:30.470] – Andreas
Ja, das auf jeden Fall. Anderer Pro Tipp sich erst mal umgucken am Markt. Also wirklich damit beschäftigen, was will ich erreichen, was will ich verkaufen? Was habe ich für Schnittstellen und Anforderungen? In Summe, die mal zusammentragen. Und dann kann man auf die Suche gehen und sagen okay, das wäre ein geeignetes Shopsystem für die spezielle Situation, in der ich gerade bin.

[00:09:51.740] – Timo
Wenn ich jetzt der Laie bin ich meine, das Angebot ist ja wie bei allem riesig und enorm. Also wie finde ich das denn im Endeffekt raus? Also habt ihr da eigentlich Praxistipps oder was?

[00:09:59.420] – Stephan
Du kannst natürlich uns fragen, aber was ich meine, jede dieser Shopsoftwareanbieter haben natürlich Feature Lists, mit denen du mal arbeiten kannst, um dich grundsätzlich vertraut zu machen. Und dann ist es aber wie beim Autokauf. Du solltest eine Probefahrt machen, auch wenn das Zeit kostet und Aufwand kostet. Wenn du dir nicht sicher bist und du hast am Ende eine Liste von zwei oder drei möglichen Shopsystemen, die infrage kommen. Lohnt sich schon mal den ein oder anderen Tag noch zu investieren, um wirklich mal damit zu arbeiten. Die meisten erlauben auch die komplexeren relativ schnell mal so ein Demoshop aufzusetzen oder haben auch Demoshops. Dann würde ich die aber auch mal ausprobieren und dann mal in das Backend reingehen, mal ein Produkt anlegen, einfach um ein besseres Gefühl dafür zu kriegen, wie denn das ganze funktioniert und ob ich mir vorstellen kann, damit in den nächsten Jahren auch jeden Tag zu arbeiten. Also das wäre wie die Probefahrt beim Auto, machen wenige aber würde ich total empfehlen, sich einfach mal auch unter der Haube umzuschauen und nicht nur den Feature Lists der Shopverkäufer zu glauben. Weil das ist wie immer, die können alle, alles und jeder ist der Beste. Aber ich sage auch immer das perfekte Shop system gibt es nicht. Das ist eine Lüge. Es gibt auch keins, das wirklich gut ist, wo ich sagen würde, das würde ich absolut empfehlen für alles und jeden. Das gibt es nicht, sondern es ist eine sehr, sehr individuelle Entscheidung. Und egal für was ich mich entscheide, ich werde immer auch gegen Wände rennen und Probleme haben. Das muss man ganz ehrlich auch dazu sagen.

[00:11:23.390] – Timo
Das ist ein schönes Stichwort, dieses Individuelle, das höre ich jetzt auch so raus, so wie das da erzählt. Also ich, wenn ich mich mal in diese Rolle rein versetze, was kostet dann der ganze Spaß jetzt irgendwo? Also wo fängt da was an, wo hört da was auf? Das ist also wie, wie geht ihr damit um, wenn ihr mit den Leuten sprecht und euch da unterhaltet? Gerade wenn es um das Thema nachher geht, zu skalieren, zu sagen: Hey, wir haben jetzt eine Roadmap aufgebaut, wir gucken das Produkt an, das Marketing auch dahinter und, und deklinieren schon ein paar Sachen vor und definieren diese Sachen. Wir haben jetzt gesagt mehr, weniger Technik, mehr Marketing. Wie sieht es da von der Preisstruktur aus? Kann man da trotzdem irgendwelche Nummern nennen oder ist es da wirklich so individualisiert?

[00:12:02.090] – Stephan
Es kommt darauf an. Ne quatsch, aber was uns am Herzen liegt, ist es eben mit einer relativ geringen Hürde, das heißt relativ günstig starten zu können. Weil am Ende sind die Kosten ja relativ. Wenn ich einen erfolgreichen Shop hinstelle, kann ich auch, habe ich auch Geld um weiter zu investieren, um das Ding weiter auszubauen. Wenn ich aber schon irgendwie und das ist keine Seltenheit, mal eine halbe Million hinlegen muss, um einfach mal einen Shop zu haben, dann kann ich mir halt nicht erlauben, damit einfach mal ein bisschen zu spielen und zu gucken, sondern dann muss das halt funktionieren. Und unser Ansatz ist und das kann mir keiner garantieren, natürlich nicht. Deswegen ist unser Ansatz eher, wir fangen so einfach und günstig wie möglich an und bauen dann aus und sparen. Aber das einfach und günstig heißt nicht billig im Sinne von wir lassen alle wichtigen Features weg, machen keine Suchmaschinenoptimierung oder so was.

[00:12:51.110] – Timo
Das wäre jetzt auch die Frage.

[00:12:52.520] – Stephan
Das sind ja entscheidende Faktoren, die mit drin sein müssen. Und dann habe ich eben Budget lieber um Marketing zu machen. Einen Shop heute im Netz zu haben, bringt mir überhaupt nichts. Ich muss da Traffic drauf kriegen und das kostet Geld und dafür brauche ich Budget. Und von daher, was den Shop betrifft es kommt darauf an, wie viele Produkte du hast, welche Schnittstellen du brauchst. Wie Andreas eben meinte wenn es ein ganz, ganz einfacher ist, dann kannst du damit zumindest 20-30.000 solltest du auf jeden Fall mal rechnen. Das ist aber wirklich die unterste Grenze. Kostet auch ein einfacher Shop, also die 1,99 vom Hoster im Monat, das hat einen Grund, warum die so billig sind. Die wollen halt wenigstens die Kohle ein bisschen mitnehmen, aber funktionieren tut es nicht. Es ist kein ernsthafter Shopbetreiber drauf.

[00:13:32.420] – Timo
Okay, kommen wir doch einmal zum Marketing. Wie gesagt, hast mehr Marketing und wie kriege ich den Traffic auf meinen Shop drauf? Also ist aus eurer Praxiserfahrung, was ihr da gerade aktuell tut, was ihr vielleicht vor ein paar Jahren getan hat, was da auch funktioniert. Könnt ihr da ein bisschen was zu erzählen, was da einfach gerade state of the art ist? Ich gucke genau erst Richtung Stephan und dann schauen wir zum Andreas.

[00:13:55.250] – Stephan
Ja. Also klar, Es ist, woran kein Weg vorbeiführt, dass Google sowohl bezahlt als auch organisch. Also über Google Suchmaschinenoptimierung in vielen der Shops, die wir betreuen, betreiben, wo wir Einblick in die Zahlen haben, machen die die Trafficquellen von Google mindestens mal 60 % des Umsatzes dann am Ende aus. Das heißt, ich muss, was Google macht, in Perfektion machen. Ich muss Google Ads so machen, dass es für mich funktioniert. Ich muss Suchmaschinenoptimierung auf sehr professionellem Niveau betreiben. Dann kriege ich nur über diesen Kanal schon mal 60, 70, teilweise 80 % des Umsatzes. Eine hohe Abhängigkeit aber geht halt auch nicht anders. Der große Vorteil von dem Google Kanal ist halt, dass Nutzer dort schon konkrete Suchanfragen formulieren und ich… Deswegen fangen wir immer mit Google erstmal an, weil da kann ich den Traffic abfischen von den Leuten, die schon wissen, was sie wollen. Wenn ich bei Google meinen konkreten Suchbegriff eintippe, dann gebe ich ja, sage ich der Suchmaschine und damit auch den Werbetreibenden, ja genau, was ich möchte. Und das ist anders als jetzt Social Media oder Influencer usw., was eher in Richtung Marken Bekanntheit geht. Das machen wir meistens in der zweiten Stufe, wo wir sagen okay, erstmal das Abfischen an Nachfrage, was da ist über Google und wenn ich das geschafft habe und da praktisch am Anschlag bin, dann ziehe ich den Kreis größer und gehe sozusagen an die Zielgruppen, die weiter weg sind vom Kauf. Wenn ich natürlich jetzt ein völlig neues Produkt habe, das noch keiner kennt, wonach auch keiner sucht, dann muss ich sofort irgendwie in die Social Kanäle gehen und da investieren, um mein Produkt, meine Marke erstmal bekannt zu machen. Aber die allermeisten Produkte da draußen gibt es ja schon und haben auch eine Nachfrage. Also wir haben es ganz selten mit Produkten zu tun, die so neu und so anders sind, dass da kein Mensch danach sucht, habe ich selten erlebt.

[00:15:43.010] – Andreas
Der Idealfall ist natürlich: ich habe ein Problem, was schon allseits bekannt ist, und es gibt keine adäquate Lösung. Oder ich präsentiere eine bessere Lösung an den Stellen. Stichwort Abomodell, wo es noch keine Abomodelle gibt in einem Bereich, das zu platzieren, das ist natürlich wunderbar einfach, da quasi die Anzeigen draufzutexten und genau spezifisch in diese Nische reinzugehen. Bei Produkten, die es am Markt schon gibt, wo jetzt aber kein wahnsinniges Problem dahinter steht und auch relativ viele Produkte am Markt sind, habe ich es natürlich deutlich schwieriger. Dann muss ich halt versuchen, eher in Richtung Community Aufbau zu denken. Wichtig dabei ist in Summe glaube ich einfach, dass ich mir Gedanken mache, wo, in welcher Phase hole ich die Leute ab? Also wo befindet sich der Nutzer, wie weit weg ist er vom Kauf? Und entsprechend müssen die Maßnahmen einfach andere sein, um das Ganze zu steuern. Rückwärts aufgezogen. Grundsätzlich aus Kostensicht gedacht, ist es am einfachsten, die am nächsten, am Kauf abzuholen und dann quasi rückwärts weiterzugehen und das Ganze aufzubauen, um eben auch da das Budget grundsätzlich zu schonen, weil die Leute, die noch komplett weit weg vom Kauf sind, die also noch nicht wissen, dass sie ein Problem haben und ich die Lösung dafür habe, den muss ich beides erst beibringen. Das ist halt kostenintensiv an der Stelle.

[00:16:55.560] – Stephan
Viele, viele machen halt auch den Fehler, dass sie sagen: Na ja, es gibt viel Wettbewerb da draußen, deswegen muss ich mich durch meinen Shop unterscheiden. Das ist ein kolossaler Fehler, weil ich muss erst mal Leute in meinen Shop kriegen. Es bringt nichts, dass ich den geilsten Shop von allen habe da draußen. Aber ich habe leider keinen Traffic, keine Menschen, die den Shop zu Gesicht kriegen. Deswegen eben dieser Ansatz, du musst Geld haben, um Menschen in deinen Shop zu kriegen und sie da dann natürlich von deinem Produkt überzeugen. Aber dieser erste Schritt ist halt so unheimlich wichtig und sehr arbeitsintensiv und sehr teuer geworden inzwischen. Das ist nicht mehr so wie vor zehn Jahren, 15 Jahren, 20 Jahren, als ich angefangen habe mit dem Thema E-Commerce, wo du, wo es halt gereicht hat, einen Shop zu haben. Der Rest hat sich von alleine ergeben. Das war eine Gelddruckmaschine. Ist schön, aber die Zeiten sind vorbei, das geht nicht mehr. Also mir fällt spontan ein ganz großer Fehler ein und das ist der der Anspruch, vom ersten Tag an alles perfekt zu machen und auch alles zu automatisieren. Das kostet unheimlich viel Geld und dauert unheimlich lange und birgt immer die Gefahr, dass ich am Ende irgendwie am Kunden vorbei automatisiert habe oder so. Man sollte keine manuelle Arbeit scheuen. Und wir haben es oft erlebt, dass Kunden gesagt haben: Okay, ich bringe jetzt erstmal den Shop online und meine Aufträge, die dann kommen, die kommen meinetwegen noch per E-Mail und ich erfasse sie dann per Hand in einem anderen System, weil ich diese Schnittstelle, kostet einfach unheimlich viel Geld und ich weiß ja noch gar nicht, ob es richtig funktioniert. Also diese iterative Prozess erst mal was zum Laufen zu bringen und dann zu automatisieren und dann zu perfektionieren, als das Traumschloss hinzustellen und um dann festzustellen, die Nutzer finden es aber, mein Produkt nicht so geil oder irgendwas passt halt nicht und ich komme überhaupt nicht dazu, erfolgreich zu sein und diese Schnittstelle auch wirklich zu nutzen und auszulasten, um bei dem Thema zu bleiben. Ist für mich ein ganz, ganz großer Fehler. Lieber hemdsärmelig anfangen. Ein bisschen die Ansprüche runterschrauben und dann entlang der Kundenwünsche und der Erfahrungen, die ich dann sammle, automatisieren und und optimieren und nicht schon von vornherein das große Schloss hinstellen.

[00:18:53.480] – Stephan
Vielleicht ist der einfache Verkaufsstand, wenn man so in der Bildsprache bleiben will, erst mal ausreichend, um überhaupt mal Erfahrungen zu sammeln, Zahlenmaterial zu kriegen, Daten zu kriegen, um auf auf deren Basis sich dann viel besser entscheiden kann, was die nächsten Schritte sind.

[00:19:09.350] – Andreas
Größter Fehler aus meiner Sicht den teuersten Shop kaufen, weil er am meisten können muss, ohne grundsätzlich die Anforderungen zu kennen. Wird immer noch, immer wieder gemacht, dass jemand meistens in Führungsetagen entscheidet den Mercedes kaufen wir jetzt und die Leute, die es dann umsetzen sollen, sagen, der passt aber überhaupt nicht zu unserem Businessmodell. Ja, es gibt wahnsinnig teure Shopsysteme da draußen, die ganz viel können und auch voll ihre Daseinsberechtigung haben. Die müssen aber nicht auf meinen Case passen und das sollte ich mir definitiv vorher angucken. Andere Themen hat Stephan vorhin schon angesprochen Den check out neu durchdenken, Dinge einfach mal komplett anders bauen als 90 % der restlichen E-Commerce Welt bauen. Es gibt Dinge, die sollte ich hinterfragen. Ja, da kann ich auch mal einen Test drauf laufen lassen. Ja, aber grundsätzlich jetzt das Thema Shop mal neu zu denken ist so, als wenn ich im Ladenlokal die Kasse weglasse und mal gucke, was passiert.

[00:20:05.810] – Timo
Ein schönes Beispiel auf jeden Fall. Okay, ne verstehe. Aber das heißt, was ich jetzt mitgenommen habe dieses man startet mit so einem MVP im Endeffekt auch wie bei dem Website Relaunch. Und dann habe ich aber dieses Budget, um einfach Traffic mal drauf zu kriegen und zu testen.

[00:20:20.330] – Stephan
Also ja, du hast halt die Chance echte echtes Zahlenmaterial, echte Daten zu kriegen. Du kannst natürlich vorher die alles genau überlegen in der Theorie, wie das laufen müsste und welche Conversionrates zu erzielen wirst und welche Klickraten du bei Google kriegst. Aber ob das am Ende wirklich so ist, siehst du erst, wenn du anfängst es zu tun. Und ganz oft sind die Annahmen jetzt nicht völlig falsch, aber auch nicht komplett der Wahrheit entsprechend. Und von daher, es ist immer immer besser, einfach mal anzufangen loszulegen und dann auf Basis des Zahlen-Daten-Materials. Das ist auch ein großer Schwerpunkt, den wir setzen. Wir versuchen so viel Daten wie möglich so sauber wie möglich zu erheben, um dann damit arbeiten zu können und dann auszubauen entlang der Bedürfnisse und der dann entstehenden Anforderungen.

[00:21:03.560] – Timo
Okay, das heißt, da ist wahrscheinlich eine sehr enge Verzahnung mit dem Tracking und Data Team oder generell mit den Datenanalysten, um zu schauen, was da hintendran passiert.

[00:21:10.640] – Stephan
Ja klar, E-Commerce ohne Daten funktioniert nicht. Also auch da, das habe ich vor 20 Jahren gemacht, aber es ist lange, lange vorbei, dass ich… Da gings sogar ohne Daten. Genau. Aber heute ist das, ist das die Währung, also ohne Daten und dann schon später auch ohne einen hohen Grad der Automatisierung bin ich verloren. Also da werde ich kein erfolgreiches E-Commerce Business aufbauen können, wenn ich, wenn ich nicht die Daten so vielfältig und so sauber wie möglich erhebe und dann aber halt auch sie verwende, um daraus zu lernen, Ableitungen zu treffen und Dinge zu verändern, optimieren, anzupassen.

[00:21:46.880] – Andreas
Ja, auch keine Marketingmaßnahmen ohne Tracking bitte. Ja, da kann ich die Hunderter auch gleich auf den Tisch legen und anzünden. Das ist halt genau dasselbe Thema. Sowohl im Shop muss das Tracking sauber laufen und ich muss wissen, was da passiert, als auch jede einzelne Marketingmaßnahmen muss sauber kontrollierbar sein und letzten Endes auch auf den Umsatz zurückverfolgbar sein. Sonst kann ich nirgendwo optimieren oder ich kann optimieren, aber ich weiß nicht, ob ich in die richtige Richtung optimiere an den Stellen. Das ist definitiv A und O auch bei allen Marketingmaßnahmen, die wir da machen.

[00:22:16.910] – Stephan
Und so macht es dann am Ende auch Spaß. Also wenn ich weiß, der Kanal funktioniert im Sinne von ich kriege für jeden investierten Werbeeuro, X-Euro Umsatz zurück, dann sind wir bei Jochen Schweizer dann skalierts. Dann muss ich da halt einfach, dann kann ich da so viel Geld reinstecken, wie ich halt möchte, weil ich fix meinen Umsatz zurückkriege und damit halt auch meine Marge entsprechend habe. Wenn ich richtig kalkuliert habe. Und erst dann fängt es eigentlich an, Spaß zu machen. Wenn ich ständig irgendwie Budgets deckeln muss, weil es eigentlich Kosten sind und mir nicht Shopseitig in Sachen Umsatz helfen. Dann habe ich ein Problem. Das Ziel muss immer sein, dahin zu kommen, dass ich einen Bonus, also diesen Return on Ad Spend erreiche, den ich mir als Ziel gesetzt habe. Und dann haue ich das Budget, dann gebe ich da so viel Budget rein, wie ich möchte, weil es eben kein Marketingbudget mehr ist, keine Kosten mehr sind, sondern sich durch den Umsatz, der daraus generiert wird, halt bezahlen lässt.

[00:23:09.220] – Timo
Da ist auch Spaß das schöne Stichwort gewesen, weil du hast ja jetzt Kunden, die du machst E-Commerce schon lange oder generell sagst oder Kundenbetreuung ist schon über einen langen Zeitraum, also fast über eine Dekade im Endeffekt ja schon. Also da muss, ein Spaß Level muss ja auch vorhanden sein irgendwie, oder um da auch Fortschritte zu sehen auf der einen Seite und und da ständig zu schrauben und zu werkeln.

[00:23:32.950] – Stephan
Ich weiß noch so in den ersten Jahren. Es ist ja kein Geheimnis, dass E-Commerce je nach Shop oder je nach Produkt, aber sehr viel Umsatz am Wochenende und gerade auch am Sonntag passiert, wenn die Läden zusehen. Und ich erinnere mich noch so In den Anfängen, saß ich oft sonntags irgendwie zu Hause und hatte immer das Notebook offen mit Google Analytics, Echtzeit und habe mich immer gefreut, wenn einer im check out war. Ja, ja, das ist, das sind dann so die Erlebnisse. Aber das ist auch dieses Blut lecken. Was du dann irgendwie brauchst. Das ja, okay, das macht jetzt Spaß. Und dann fängst du an zu optimieren und zu sagen Wie kriege ich nächsten Sonntag noch mehr Umsatz hin? Was muss ich da jetzt tun, Was kann ich machen? Und dafür brauche ich halt Zeit, Spielraum und auch Budget, um das halt das halt ins Rollen zu bringen. Und dann macht es einen Riesenspaß.

[00:24:18.130] – Timo
Ich habe jetzt auf jeden Fall mal mitgenommen. Man startet mit einem MVP. Man sollte eine gute, gute Roadmap aufbauen, ein paar Anforderungen wirklich definieren, genügend Geld dabei haben, um Google dementsprechend auch mal so zu füttern, dass da einfach Traffic auf den Shop drauf kommt und dann alles andere on top hinten draufsetzen. Sprich Social Media und jetzt am Ende der Nahrungskette weniger Influencer, Marketing und sonst irgendwas kommen sollte. Das macht keinen Sinn, das alles am Anfang gleich zu wollen und so tun. Von daher würde ich jetzt mal sagen, vielen Dank für diese, für diesen schönen Input. Auf jeden Fall, was das ganze Thema E-Commerce angeht. Ich denke, da geben wir dem einen oder anderen sicher noch eine Hilfestellung, was das Thema angeht und bedanke mich recht herzlich und wir nehmen gleich einfach die nächste Folge auf.

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