GEA: Werbung in KI-Antworten
Menschen suchen nicht mehr nur nach Begriffen. Sie führen mehrstufige Gespräche mit KI-Systemen wie ChatGPT oder Google, beschreiben komplexe Probleme und lassen sich passende Antworten erzeugen. Für Werbetreibende verschwimmt damit die Grenze zwischen SEO und SEA.
GEA, Generative Engine Advertisement, gesprochen „Dschia", beschreibt Anzeigen, die nicht mehr in starren Blöcken stehen, sondern dynamisch im laufenden Chat-Kontext als Lösung für das konkrete Problem erscheinen. Diese neuen Kontaktpunkte geben Marken die Möglichkeit, genau dann präsent zu sein, wenn eine Kaufentscheidung fällt.
ChatGPT Ads: der Einstieg in die Werbung auf KI-Oberflächen
Am 24. August 2026 hat OpenAI ChatGPT Ads in Deutschland, Österreich, der Schweiz und insgesamt 31 europäischen Ländern gestartet. Was im Februar 2026 als Pilotprojekt in den USA begann, ist innerhalb weniger Monate zu einer Werbeplattform mit Zugang zu über 900 Millionen wöchentlich aktiven Nutzer:innen geworden.
Werbekontext mit klarer Absicht
Nach Daten von OpenAI haben rund 20 Prozent aller Konversationen eine direkte kommerzielle Absicht: Produkte recherchieren, Alternativen vergleichen, Entscheidungen treffen. Die Absicht unterscheidet sich dabei deutlich von der klassischen Suche. Ein durchschnittlicher ChatGPT-Prompt ist 17-mal länger als eine Google-Suchanfrage.
Reichweite und Zielgruppe
Anzeigen werden ausschließlich in den kostenfreien Versionen ausgespielt, zahlende Plus-Abonnent:innen sehen keine Werbung. Für B2C und E-Commerce bedeutet das eine breite, sehr aktive Zielgruppe. B2B-Unternehmen sollten vorsichtig testen: Viele professionelle Vielnutzer:innen arbeiten mit der kostenpflichtigen Version und sind über diesen Kanal schwerer zu erreichen.
Formate und Kampagnen-Setup
Seit dem 31. August 2026 ist der Self-Serve Ads Manager als Beta für berechtigte Werbetreibende in Deutschland, Österreich, der Schweiz und 28 weiteren europäischen Märkten geöffnet. Der Zugang läuft bislang über das OpenAI Ads Solutions Team sowie ausgewählte Agentur- und Technologiepartner. Zwei Formate stehen zur Verfügung, beide klar von der KI-Antwort getrennt und als „Sponsored" gekennzeichnet:
Gesponserte Antworten
Textanzeigen unterhalb der KI-Antwort: Unternehmensname, Favicon, eine sehr kurze Überschrift (empfohlen 16 bis 24 Zeichen, maximal 50), eine Beschreibung (empfohlen 32 bis 48 Zeichen, maximal 100) und ein Link zur Landingpage. Diese Kürze zwingt zu präziser, nutzenorientierter Sprache.
Shopping-Karussell
Eine scrollbare Reihe gesponserter Produktkarten am Fuß des Chats. Sie greifen direkt auf den Produktdatenfeed zu, etwa Shopify oder Etsy, und zeigen Marke, Produktname, Preis, Verfügbarkeit und Lieferzeit live an.
Abrechnung und Gebote
Abgerechnet wird wahlweise nach CPM oder über ein CPC- beziehungsweise oCPC-Modell. Für CPC-Kampagnen empfiehlt OpenAI zu Beginn ein Höchstgebot von 3 bis 5 US-Dollar pro Klick. Erste Praxisberichte zeigen, dass die tatsächlichen Klickpreise oft deutlich darunter liegen und die Impressionskosten im Vergleich zu reiferen Plattformen wettbewerbsfähig sind. Bis 2030 will OpenAI mit diesem System 100 Milliarden US-Dollar Werbeumsatz erreichen.
Google Ads in den KI-Suchfunktionen
Auch Google weitet seine Werbemöglichkeiten in den KI-gestützten Oberflächen aus, mit einer guten und einer unbequemen Nachricht zugleich: Es gibt keine separaten KI-Platzierungen und keine eigenen KI-Kampagnen, die man an- oder abschalten kann. Google nutzt das bestehende Auktions- und Rankingsystem.
Um in den neuen Oberflächen überhaupt vorzukommen, braucht es KI-gestützte Kampagnentypen:
- Suchkampagnen mit Broad Match und Smart Bidding
- AI Max for Search: Broad Match kombiniert mit keywordlosem Dynamic Search, Headlines und Landingpage-URLs passen sich in Echtzeit an
- Performance-Max-Kampagnen
- klassische Shopping-Kampagnen mit optimierten Produktdatenfeeds
Wer heute noch ausschließlich mit starren Exact-Match-Szenarien oder sehr granular segmentierten Strukturen arbeitet, schneidet sich vom Traffic der Zukunft ab. Die KI braucht konsolidierte Daten und Flexibilität, um den Kontext moderner Suchanfragen zu verstehen.
Anzeigen rund um AI Overviews
AI Overviews sind KI-generierte Zusammenfassungen an der Spitze der Suchergebnisseite. Sie sind in Deutschland seit Frühjahr 2025 aktiv und prägen die Websuche von rund zwei Milliarden Menschen. Anzeigen erscheinen in drei Bereichen:
- Oberhalb der Zusammenfassung
- Bei Suchanfragen mit eindeutiger, hoher Kaufabsicht schaltet Google klassische Text- oder Shopping-Anzeigen weiterhin ganz oben.
- Unterhalb der Zusammenfassung
- Bei informationalen oder gemischten Suchanfragen dominiert die KI-Box den sichtbaren Bereich. Die Anzeigen rutschen nach unten und werden erst durch Scrollen sichtbar.
- Direkt in der KI-Antwort
- Die auffälligste Integration: Suchen wie „bester CRM-Anbieter" erzeugen eine KI-Vergleichsliste, in der gesponserte Plattformen als Produktkarten oder kontextuelle Sponsored Links Teil der generierten Antwort werden. Wird derzeit schrittweise in ausgewählten Märkten ausgerollt.
Der Effekt auf Performance-Kampagnen ist spürbar: Weil die Zusammenfassung die Neugier bei informationalen Suchen sofort befriedigt, bricht das Klickvolumen in der Recherchephase ein. Die Suchseite muss niemand mehr verlassen. Stabile Impressionen im Konto können darüber hinwegtäuschen, während die Klickraten auf breiter Front sinken. In der Folge verlagern Werbetreibende ihre Budgets auf transaktionsnahe Keywords, was in umkämpften Branchen die Klickpreise am unteren Ende des Funnels nach oben treibt.
Anzeigen im Google AI Mode
Der AI Mode geht einen Schritt weiter: eine eigenständige Chat-Oberfläche auf Gemini-Basis, in der sich Anliegen Schritt für Schritt verfeinern lassen. Wichtig für den deutschen Markt: Diese Werbeformate sind hier noch nicht verfügbar. Sie befinden sich in früher Testphase oder laufen vorerst exklusiv im US-Markt. Die auf der Google Marketing Live gezeigten Formate sind künftige Rollouts, keine Einsatzoption für heute:
- Conversational Discovery Ads
- Anzeigen, die Gestaltung und Verkaufsargumente in Echtzeit an die konkrete Frage anpassen.
- Highlighted Answers
- Empfiehlt die KI etwa „die besten Sprach-Apps für eine Italienreise", können bezahlte, hochrelevante Apps als hervorgehobene Empfehlung in dieser Liste erscheinen.
- AI-powered Shopping Ads
- Gemini zieht die passenden Produkte aus dem Merchant-Center-Feed und formuliert automatisch einen Begleittext, der erklärt, warum genau dieses Modell die Anforderungen erfüllt.
- Business Agent for Leads
- Statt eines statischen Formulars startet im Anzeigenbereich ein Chatbot, der Fragen auf Basis der Firmen-Website beantwortet und den Lead qualifiziert.
- Direct Offers & Native Checkout
- Dynamische Rabatt-Bündel und Kaufabschluss direkt in der Suchoberfläche über das Universal Commerce Protocol.
Das Fundament bleibt organisch
Wer glaubt, Erfolg in der generativen Suche ließe sich mit Budget kaufen, irrt. Google und OpenAI betonen dasselbe Prinzip: Bezahlte Kampagnen und organische Sichtbarkeit sind untrennbar verbunden. Es lohnt sich, die Inhalte parallel zu den Anzeigen auch organisch zu optimieren.
Die Blackbox: Monitoring und Reporting
Die größte Hürde beim Einstieg ist die fehlende Transparenz der Plattformen. Wer lückenlose Attributionsketten und granulare Berichte gewohnt ist, steht vor einer Blackbox:
- ChatGPT
- Im Ads Manager gibt es derzeit keinen Einblick in die Chatinhalte, Suchanfragen oder Gesprächsverläufe, bei denen eine Anzeige ausgespielt wurde. OpenAI blockiert diese Daten aus Datenschutzgründen. Conversion-basierte Optimierung und Drittanbieter-Messung sind noch im Aufbau, in der Praxis arbeitet man zunächst mit Ersatzmetriken wie CTR oder manuell gesetzten Pixel-Conversions.
- Für AI Overviews und AI Mode gibt es bis heute kein eigenes Reporting. Impressionen und Klicks aus den KI-Oberflächen verwässern in den Such- und Shopping-Berichten. Man kann auf diese Platzierungen weder gezielt bieten noch sie ausschließen noch ihre Wirkung isoliert auswerten.
Drei Wege, trotzdem zu messen
Server Side Tracking implementieren
Browser-Cookie-Tracking erblindet durch Ad-Blocker, iOS-Updates und Cookie-Einschränkungen zunehmend. Server Side Tracking umgeht diese Blockaden und liefert nach Anbieter-Benchmarks häufig über zehn Prozent mehr Daten direkt an das Smart Bidding von Google und die Conversions-API von OpenAI. Wer die KI ohne diese Daten füttert, automatisiert nur den Budgetbrand.
Auf ein Blended Measurement Framework wechseln
Last-Click-Attribution versagt, wenn Menschen über Tage in ChatGPT recherchieren, danach im Google AI Mode weiterfragen und schließlich über eine klassische Suche konvertieren. Betrachtet stattdessen die Gesamtsichtbarkeit in den Suchergebnisseiten: den kombinierten Effekt aus organischen KI-Zitaten, bezahlten GEA-Anzeigen und klassischen Impressionen.
CRM-Daten zurückspielen
Gerade im B2B ist Lead nicht gleich Lead. Bindet euer CRM tief in das Google-Konto ein. Wenn ihr Google signalisiert, welche Leads tatsächlich zu Abschlüssen führen, trainiert ihr den Algorithmus darauf, in KI-Umgebungen gezielt nach hochwertigen Entscheider:innen zu suchen.
Was das für euch in Deutschland konkret bedeutet
ChatGPT Ads lassen sich hier bereits buchen. Der Zugang läuft über das OpenAI Ads Solutions Team sowie über Agentur- und Technologiepartner, der freie Self-Service ist noch nicht offen. Anzeigen im Google AI Mode testet Google bislang nur in den USA. Was hier heute wirkt, sind die AI Overviews und die KI-Funktionen in Google Ads selbst. Heißt das abwarten? Nein. Es heißt, das Fundament zu bauen, solange der Wettbewerb noch schläft.
Zugang sichern
Registriert euch auf ads.openai.com oder klärt mit eurer Agentur, ob sie bereits Partnerzugang hat. Die Unternehmensverifizierung dauert. Jetzt vorbereiten.
Tracking aufsetzen
Server Side Tracking implementieren und die OpenAI Conversions API einplanen. Jeder Monat mit sauberen Conversion-Daten ist ein Vorsprung, den Nachzügler nicht aufholen.
Google-Konto KI-fähig machen
Kampagnen für Broad Match öffnen, AI Max testen, Performance Max aktivieren. Nur diese Kampagnentypen erscheinen später in den KI-Oberflächen. Wer erst beim EU-Rollout umstellt, startet zu spät.
Produktdaten aufräumen
Titel, Bilder, Preise und Attribute im Merchant Center und im Shop-Feed prüfen. Bei ChatGPT wie bei Google gilt: Der Feed ist das neue Creative.
Quellen
- OpenAI: ChatGPT Ads expands across Europe
- OpenAI Help Center: Launch Campaigns (Zeichenlimits, Setup)
- Marketing Dive: What defines ChatGPT ads: „super intentional" users
- Similarweb via OfficeChai: ChatGPT-Prompts 17-mal länger als Google-Suchen
- Digiday: OpenAI brings product carousels to ChatGPT ads
- Search Engine Land: Google Marketing Live 2026
- PPC Land: Google Marketing Live 2026 mit Direct Offers und Universal Commerce Protocol
- Conversion Traffic: KI-Modus in Google Ads und was sich 2026 wirklich ändert

Ansprechpartner:in
Projekt-Stratege
Projekt-Stratege und netzstratege der ersten Stunde. Seit 2003 baut er Online-Shops und begleitet den digitalen Handel, mit Tiefgang in Google Ads, Google Shopping, Merchant Center, Search Console und Analytics. In Karlsruhe führt er als Projektmanager und Berater Kunden im Bereich Handel.
Wo steht ihr beim Thema KI-Anzeigen?
In der GEA-Potenzial-Analyse prüfen wir Zugang, Tracking und Kampagnenstruktur und sagen, wo der Start sich lohnt.