Digitale Transformation GovTech
Veröffentlicht am 26.6.2023
Digital Impact Podcast · Folge vom 26.06.2023
Jana Janze (GovMarket) und Lars Grasemann widmen sich dem digitalen Shift im öffentlichen Sektor und den damit verbundenen Chancen und Hürden für Verwaltungen und öffentliche Einrichtungen. Gemeinsam tauchen sie ein in die Welt von GovTech, dem Einsatz von Technologie und digitalen Lösungen zur Modernisierung und Effizienzsteigerung in der Verwaltung.
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Transkript der Folge lesen
[00:00:03.420] – Lars
Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Digital Impact den netztrategen Podcast. Ich freue mich heute sehr über unseren Gast Jana Janze, CEO von GovMarket, die uns heute in eine Welt mitnimmt, die wir euch sonst im Podcast bis jetzt zumindest noch nicht entführt haben. Sie macht nämlich GovTech, also quasi IT Lösungen, innovative Lösungen für öffentliche Einrichtungen und öffentliche Träger. Und mit GovMarket haben sie hier eine Plattform zur Verfügung gestellt, um das Ganze ein bisschen zugänglicher zu machen. Und ich finde es total spannend, mich heute mal mit ihr auszutauschen, weil wir ja sonst eher auch in anderen Branchen unterwegs sind und ja, da für uns ein bisschen Licht ins Dunkel bringen kann. Liebe Jana, schön, dass du da bist.
[00:00:56.770] – Jana
Ja, schön, dass ich bei euch sein darf. In der Tat. Und du hast gerade schon gesagt GoVTechs sind bei euch bisher noch nicht so sehr im Fokus gewesen. Aber vielleicht ändern wir das einfach.
[00:01:09.630] – Lars
Ja, genau. Vielleicht schaffen wir es ja, ein bisschen Aufklärungsarbeit zu leisten, was das Thema angeht, bevor wir tiefer einsteigen. Vielleicht magst du kurz was zu dir sagen. Und dieses ganze Thema Schnittmenge öffentliche Einrichtungen und IT-Infrastruktur. Wie kommt man da hin? Vom Werdegang her.
[00:01:30.570] – Jana
Da kommt man hin durch Zufall, irgendwie. Und der Zufall war bei mir in der Tat sogar in Karlsruhe. Ich habe in Karlsruhe studiert, ich habe Geoinformatik studiert und da hat man natürlich schon so am Rande was mit Behörden zu tun. Also wofür mache ich Karten, wofür schaue ich, dass Geoinformation gut dargestellt werden können? Für Bürgerinnen natürlich auch für die Behörden. Das waren so meine ersten Anknüpfungspunkte. Und ja, schlussendlich bin ich da irgendwie nie richtig rausgekommen. Das heißt, mein ganzes Berufsleben hat mich im Endeffekt die Verwaltung, unsere Kernverwaltung wirklich begleitet und das über ganz unterschiedliche Ebenen. Ich habe wie gesagt eben sehr viel mit Geoinformationssystem beschäftigt, sehr viele Daten auf Karten dargestellt und bin dann mehr und mehr auch wirklich in die Entwicklung reingegangen. Habe viele sogenannte E E-Government Systeme aufgebaut, das heißt Systeme, womit die Verwaltung die Möglichkeit hat, eben Prozesse digital darzustellen und bin dann mehr und mehr in das Thema der Innovationen reingekommen, habe mich also damit beschäftigt, wie wir unsere Verwaltung innovativer aufbauen können, welche Elemente es gibt, die die Verwaltung auch wirklich agiler, nutzbarer, menschzentrierter setzen können. Und das waren so für mich die ersten Anknüpfungspunkte, um dann auch in das Thema der GoVTech mehr einzusteigen.
[00:02:56.250] – Lars
Ja, spannend, total interessant. Vielleicht kannst du unseren Zuhörerinnen auch kurz erzählen, wie GovMarket funktioniert. Also ihr habt ja eine sehr konkrete Lösung in diesem Kontext und dann sprechen wir danach noch mal ein bisschen detaillierter über den ganzen Markt.
[00:03:13.620] – Jana
Klar, auf jeden Fall. Also gab Kid. Wir wollen in der Tat die sogenannten GoVTech, also Lösungen, die für die Verwaltung einen Mehrwert bringen. Ja, zuerst mal vor allen Dingen transparent darstellen, weil es gibt wahnsinnig viele Lösungen, die entweder für die Verwaltung entwickelt wurden oder die viele Anknüpfungspunkte haben, die in der Verwaltung einen Mehrwert darstellen. Und genau diese Lösungen, davon sind wir überzeugt, müssen für die Verwaltung sichtbarer gemacht werden. Unter Verwaltung verstehen wir übrigens nicht nur die reine Kernverwaltungen, also keine Ahnung, das Bundesministerium des Innern beispielsweise, sondern wir verstehen darunter auch Feuerwehren. Wir verstehen darunter auch Polizei, Krankenhäuser, also alles, wo wir im Endeffekt eine die öffentliche Hand als Auftraggeber oder als Gesellschafter hintendran haben. Und diese Lösungen, wie gesagt, die es am Markt gibt, die vor allen Dingen von Start-ups kommen, wollen wir transparent darstellen. So, das ist aber auch nur der erste Punkt, den wir im Fokus haben, weil das transparent darstellen kann man, Plattform gibt es da, glaube ich, wahnsinnig viele und wahnsinnig viele Möglichkeiten. Viele von diesen Lösungen sind auch wahnsinnig gut im GovMarketing. Da gibt es ganz viele tolle Leute, die ihre Lösungen auch wirklich super stark präsent machen. Was allerdings aus unserer Sicht eher selten und nicht so gut funktioniert, sind die sogenannten Beschaffungsprozesse hintendran. Also alle Lösungen, die in der Verwaltung eingesetzt werden, müssen im Endeffekt eingekauft werden. Das kennt man natürlich aus der Privatwirtschaft genauso. Also ich muss mir natürlich anschauen, gibt es da irgendwie noch eine andere Lösung, die so was Ähnliches macht? Was kostet die? Wo gibt es Anknüpfungspunkte, was ist besser usw. und sofort. Das ist in der Privatwirtschaft in der Regel einen klein ticken einfacher als in der Verwaltung. Natürlich auch, weil wir mit Steuergeldern arbeiten. Also all das, was wir in der Verwaltung machen, hat im Endeffekt Einfluss auf Steuergelder. Und das hat dann auch wieder einen Einfluss darauf, wie wir als Bürgerinnen mit diesen Dingen umgehen. Also ich selbst als Bürgerin möchte nicht, dass irgendwie Gelder dafür ausgegeben werden, die eher eine Lösung im Fokus haben, die überhaupt nicht sinnvoll ist. Natürlich müssen wir darauf schauen, dass das diese Lösung möglichst effektiv eingesetzt werden können. Und gleichzeitig brauchen wir eben auch diese Beschaffungsprozesse, die Einkaufsprozesse, die hinten dran stehen, und auch die müssen schnell funktionieren. Ich kann ja mal so ein paar Zahlen mit reingeben, um euch das auch begreifbar zu machen. Wie gesagt, Einkaufsprozesse. Ihr kennt es vielleicht aus der Privatwirtschaft, funktioniert halbwegs schnell. In der Verwaltung dauert das so um die 22 Monate, das sind fast zwei Jahre. Also wenn ich jetzt in einem Lebenszyklus eines Start-ups denke, nach zwei Jahren ja, also 22 Monate oder 24 Monate dann, da kann ein Start-up wirklich am Ende nicht mehr da sein. Und gleichzeitig haben sie vielleicht eine Lösung entwickelt, die wirklich einen Mehrwert bringen könnte. Und wir schauen uns eben genau das an. Wir wollen diese 22 Monate runterbrechen auf wenige Monate, auf wenige Wochen, wohl wissend, dass wir nicht so, mit einem Klick und ich kaufe direkt ein. Das wird wahrscheinlich in der Verwaltung nicht funktionieren, aber wir können das zumindest runterbrechen auf einen kurzen Zeitraum.
[00:06:36.790] – Lars
Du hast diese Beschaffungsprozesse angesprochen und die Anforderungen, die dahinter stecken und auch die verschiedenen Größenordnungen. Ich sage jetzt mal von der Ortsfeuerwehr bis zum Bundesministerium. Wie individuell sind denn diese Anforderungen überhaupt? Oder wie ist der gemeinsame Nenner? Ich stelle mir das gerade super kompliziert vor, weil die Feuerwehr wird anderes Know-how how und andere Leute haben als jetzt ein Bundesministerium zum Beispiel wie? Wie muss ich mir das vorstellen?
[00:07:05.980] – Jana
Es ist auch wirklich super individuell. Also wir haben ja, wir leben in dem föderalen System, das heißt, wir haben unterschiedliche Ebenen, in denen wir beschaffen können. Wir sind in Bundesministerien unterwegs, die sind da in der Tat super gut ausgestattet, ausgestattet, so in Anführungszeichen. Also da gibt es große Einheiten, die sich mit dem Thema der Vergabe, der Beschaffung des Einkaufs damit beschäftigen. Das sind wirklich richtig, richtig viele große Einheiten. Auf der Landesebene sieht es schon ein bisschen anders aus. Da gibt es gar nicht mehr so wahnsinnig viele Leute, die das wirklich im Fokus haben. Da gibt es vor allen Dingen aber auch die sogenannten IT-Dienstleister, die in jedem Bundesland wieder anders sind, über die zum Beispiel technologische Lösungen eingekauft werden können. So, und wenn ich dann noch ein Stückchen weiter runterschaue, nämlich in die kommunale Ebene, sieht es ganz, ganz, ganz anders aus. Da sind es in der Regel Personen, die im keine Ahnung im Bauamt zum Beispiel bisher gearbeitet haben, die die Beschaffung mit betreuen. Beschaffung von IT Lösungen. Und ganz ernsthaft, diese Leute sind wahnsinnig gut in der Beschaffung von Bauelement. Also die wissen, wie Schulen gebaut werden können, die wissen, wie Straßen aufgebaut sind, was wir dafür alles beschaffen müssen. Die können wahnsinnig gut Fahrzeuge beschaffen. Wenn es dann aber darum geht, IT Lösungen einzukaufen, ist das ein ganz anderer Fokus. Also das muss ich euch glaube ich nicht sagen. Eine IT-Lösung Lösung kann ganz anders aufgebaut sein. Da spreche ich über SaaS Lösungen, da spreche ich über Plattformen. Früher war es so, keine Ahnung. Habe ich mit Windows keine Ahnung. Windows 95 gekauft. Das konnte ich mir auf eine SSD kaufen. Die habe ich wirklich gehabt. Das war meine SSD. Die habe ich in Rechner gesteckt, habe Windows 95 auf den Rechnern in einer kleinen Stadt beispielsweise installiert. Jetzt wirklich sehr plakativ gesagt, heute haben wir SaaS Lösung. Diese Lösung, die zahle ich dann, wenn ich sie nutze. Oder ich kann sie beispielsweise auch monatlich kündigen. Das heißt, das sind ganz andere Systematiken, die unten dran stehen. Und da müssen wir für ein Verständnis sorgen. Und genau das ist in der auf der kommunalen Ebene, in den kleineren Kommunen, in den kleineren Städten ist das ganz, ganz, ganz anders. Und davon haben wir über 11.000 in Deutschland, das heißt 11.000 Mal, wo einfach sehr viel, sehr viele Bedarfe da sind, sehr viel Wunsch, auch genau diese Lösungen einzusetzen und gleichzeitig aber auch gar nicht das Personal, um sich damit weiterzubeschäftigen. Und bei Feuerwehren, Polizeien sieht es im Endeffekt ähnlich aus.
[00:09:38.830] – Lars
Wenn wir jetzt noch mal auf die größeren Einrichtungen zu sprechen kommen, was sind denn so die wesentlichen Anforderungen oder Besonderheiten? Vielleicht jetzt im Vergleich zu einem Mittelständler von der Ostsee, der vielleicht ja quasi für sich entscheiden kann und nicht im Auftrag des Volkes?
[00:10:03.670] – Jana
Ich glaube, das ist in der Tat einfach wirklich der größte, der größte Unterschied, also all das, was unsere Verwaltung für uns macht, ist das, was der Staat für uns macht. Das heißt, wir haben da gar nicht irgendwie eine kleine Zielgruppe, keine Ahnung. Ein Handwerksbetrieb, der irgendwie keine Ahnung. Tische baut, Stühle baut, Schreiner oder ähnliches. Also, die haben eine Zielgruppe. Menschen, die genau diese Dienstleistung suchen. Die Verwaltung hat uns alle, jede einzelne Person, die in Deutschland lebt als Zielgruppe. Das heißt, wir reden hier von der größten Zielgruppe, die es überhaupt geben kann. Wir müssen alle Menschen ansprechen und das ist aus meiner Sicht auch wirklich der größte Unterschied. Da kommen noch Dinge rein, wie Wir wollen als Deutschland natürlich möglichst souverän aufgestellt sein. Wir wollen keine Abhängigkeiten haben von anderen Staaten, also solche Dinge, die in der Tat natürlich in der Privatwirtschaft vielleicht auch für kleinere Unternehmen relevant sind. Aber solche Dinge wie wo liegen denn meine ganzen Daten, wenn ich als Bürgerin keine Ahnung mehr einen Ausweis neu kaufen beschaffen muss, ins Bürgeramt gehe, müssen diese ganzen Daten irgendwo abgelegt werden. Dann ist die Frage, wo werden die abgelegt? Werden die auf einem deutschen Server abgelegt? Werden sie vielleicht direkt in dem Bürgeramt, wo ich meinen Ausweis hergeholt habe, abgelegt? Liegen Sie vielleicht im. Keine Ahnung. Liegen Sie vielleicht in den USA oder in China oder wo auch immer? Das heißt, da gibt es sehr viele Abhängigkeiten, über die man sprechen muss. Und das spielt natürlich gerade bei den bei diesem Text, bei den digitalen Lösungen von Start-ups ganz speziell mit rein. Also welche Cloudanbieter habe ich hinten dran? Zum Beispiel Wie habe ich entwickelt? Nutze ich? Keine Ahnung. Hyperscaler von keine Ahnung von AWS. Nutze ich Microsoft. Jetzt muss ich natürlich alle nennen. Nutze ich Telekom? Und so weiter und sofort. Also beliebg erweiterbar. Was steht da wirklich hinten dran? Das heißt, wie gesagt, wir haben eine super große Zielgruppe auf der einen Seite und auf der anderen Seite sehr viele technische Restriktionen, die da sind.
[00:12:14.550] – Lars
Das finde ich, finde ich total interessant. Wir hatten in einer anderen Podcast Ausgabe, da ging es auch um das Thema Datenschutz, konformes Tracking und Einbindung von US-Diensten oder aus anderen Rechtskontexten die Dienste. Und jetzt stellt sich mir die Frage, wie die Start-ups da rangehen. Also mit diesen ganzen Restriktionen. Weil ich Start-up auf der grünen Wiese will ich ja erst mal vermutlich eher frei agieren und nehme halt den Cloudserver von AWS und neben die SaaS Dienste, die ich mir gut zusammen stöpseln kann. Ja, was heißt das für die?
[00:12:52.440] – Jana
Klar. Also genau das passiert nämlich die, die Start-ups kommen hin und sagen: hey, wir wollen möglichst schnell mit unserer Lösung herausgehen. So und möglichst schnell heißt, dass ich Dienste nutzen kann, die mir das Leben möglichst einfach machen. Und da nutze ich vielleicht. Jetzt haben wir AWS schon ein paar Mal gesagt, dann nutze ich vielleicht AWS ist keine Werbeveranstaltung für AWS, aber dann nutze ich vielleicht genau diese Dienste, weil sie möglichst schnell sind. So, und was passiert dann? Wir haben in der Tat häufig diese Diskussion. Da kommt genau dieses Unternehmen in die Verwaltung rein und sagt: hey, wir haben hier eine coole Lösung. Unsere Lösung läuft auf AWS. Auf Nachfrage natürlich meistens. Und dann sagt die Verwaltung: ja, schade, dann war’s das, dann können wir nicht zusammenarbeiten. Das heißt, man muss sich, wenn man mit der Verwaltung zusammenarbeiten will, auch möglichst früh schon Gedanken darüber machen. Ich glaube, das ist aber nicht so eine einseitige Geschichte. Das muss nicht nur von den Unternehmen kommen, sondern da muss die Verwaltung auch relativ viel machen und da passiert auch wahnsinnig viel. Aktuell, also jetzt gerade schon. Da wird über Wert, über Dinge diskutiert wie Multi Cloud Ansätze. Also ich habe meine Lösung vielleicht auf AWS liegen, aber ich kann sie dann noch in einen Container drumherum packen. Ich kann sie auf ein deutsches Rechenzentrum setzen usw. und sofort. Da müsste man jetzt glaube ich noch mal ganz tief einsteigen. Und da gibt es auch viele Expertinnen, die sich genau damit beschäftigen. Es gibt aber auch solche Dinge, wie beispielsweise die Delos Cloud. Das ist ein Cloudanbieter, der quasi auf der Bundesebene auch angesiedelt ist, wo genau solche Fragestellungen dann auch wirklich im Detail angeschaut werden, weil wir auf der einen Seite wissen, dass wir diese Lösungen von den Jungunternehmen brauchen und auf der anderen Seite eben auch, da aus Verwaltungssicht ein Schritt mehr in Richtung dieser Unternehmen zugehen müssen, um gemeinsam am Ende zu arbeiten.
[00:14:47.460] – Lars
Ja, du hast das Eingangs auch schon gesagt, dass eher diesen 22-monatigen monatigen Vergabeprozess massiv abkürzen wollt. Für mich klingt es jetzt auch so, als wäre da so viele Start-ups so viele Sachen im Hintergrund zu bedenken, die jetzt mit der Anwendung selber nur am Rande zu tun haben oder mit dem Use Case vielleicht nichts zu tun haben. Was sind denn Dinge, die ihr tut, um das zu verkürzen?
[00:15:16.320] – Jana
Das sind. Es sind in der Tat super viele unterschiedliche Elemente. Also zum einen, ich hatte vorhin schon gesagt, wir haben über GovMarket einen Marktplatz aufgebaut, wo wir Lösungen transparent zur Verfügung stellen. Das heißt erst mal wirklich Visibilität schaffen. Was gibt es am Markt? Alles, was kann ich alles nutzen? Das ist ein großes Element. Dann führen wir sehr viele Gespräche mit Personen in der Verwaltung. Und da geht es um aus meiner Sicht um zwei große Elemente. Das sind wirklich sehr kurzfristige Sachen, die wir anpassen können und dann eben die langfristigen. Wenn ich mir die kurzfristigen anschaue, möchte ich ein kleines Beispiel bringen. Wir haben zum Beispiel, wenn wir in der Verwaltung unterwegs sind und in Ausschreibungen denken, um dann die Beschaffungsprozesse zu starten, immer ein Element, was abgefragt wird. Und zwar sind das die sogenannten Referenzen. Das heißt, ich muss Projekt Beispiele zeigen aus den letzten zwei Jahren, mindestens drei Projekte, die einen großen Umfang haben usw. und sofort. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, dass ein Start-up potenziell gerade frisch von der Uni kommt, mega coole Idee, wahnsinnig viel Expertise zu einem bestimmten Thema, Künstliche Intelligenz zum Beispiel zu genau zu diesem Thema. Habe ich vielleicht noch gar nicht diese Referenzen. Wie kann ich die denn auch haben, wenn ich sie erst aufbauen muss, um überhaupt am Ende mit der Verwaltung zusammenzuarbeiten? Das heißt, wir versuchen da auch für Verständnis zu sorgen, auf Seite der Verwaltung und auch mal zu hinterfragen, ob es genau zum Beispiel diese Referenzen braucht oder ob es nicht vielleicht auch Lebensläufe sein könnten. Also wir müssen natürlich eine Sicherheit haben, dass diese dieses Unternehmen oder das Produkt auch möglichst effektiv ist. Ob ich das über Referenzen immer abbilden kann, mag dahingestellt sein. Vielleicht kann ich auch eher sagen: hey, diese Person hat irgendwie einen coolen Preis gewonnen, hat irgendwie mit dem Start-up schon XYZ erledigt oder erwirkt. Und das kann genauso ein Element sein, was man an der Stelle abfragen kann. Das ist das, was aus meiner Sicht sehr kurzfristig gelöst werden kann. Und auf der anderen Seite eher langfristig sind es die sogenannten Vergabearten und auch da könnten wir jetzt, glaube ich, locker zwei, drei Stunden drüber sprechen. Da gibt es richtig, richtig, richtig viele tolle Möglichkeiten aus der Vergaberechtssicht. Da gibt es Möglichkeiten, Partnerschaften beispielsweise mit Unternehmen aufzubauen, das sind die sogenannten Innovationspartnerschaften, wo gemeinsam mit einem Unternehmen und der Verwaltung neue Dinge entwickelt werden. Diese Vergabeart, die gibt es seit einigen Jahren in Deutschland und wurde bisher auch im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn sehr, sehr, sehr selten benutzt. Und gleichzeitig bietet sie einfach so wahnsinnig viele Möglichkeiten. Genau dann, wenn ich eben mit Jungunternehmen zusammenarbeiten möchte und auch Dinge vielleicht weiterentwickeln möchte. Das heißt, wie gesagt, diese Vergabearten muss man sich im Detail mal anschauen und vor allen Dingen auch dafür sorgen, dass auch die bekannt werden. Das braucht aber in der Regel ein bisschen, weil wir uns auch da nicht nur in Deutschland bewegen, sondern im EU Kontext. Das heißt wir unterliegen da immer dem EU-Recht und alles was wir im Endeffekt machen muss auch EU konform sein und es braucht einfach ein bisschen mehr Zeit um da neue effektive Möglichkeiten zu haben.
[00:18:39.410] – Lars
Ja, verstehe ich also den Blick auch zu weiten und mal aus den vielleicht etablierten Pfaden auszubrechen, nur weil man es immer schon so ausgeschrieben hat, das wieder so zu machen und andere Möglichkeiten zu nutzen. Ja, spannend.
[00:18:53.240] – Jana
Absolut. Braucht halt Mut und Entschlossenheit und es braucht coole Leute, die Bock drauf haben, genau das zu machen. Und ich finde das. Ich meine ja, man diskutiert ja häufig über die Verwaltung oder über den Staat. Und es wird ganz häufig gesagt, es passiert nichts und Digitalisierung ist alles total blöd und doof und keiner hat so richtig Bock. Und ich meine, Beamtenwitze brauchen wir glaube ich auch gar nicht. Drüber diskutieren gibt es auch en masse. Ich kenne aber so wahnsinnig viele richtig coole Leute, die in der Verwaltung wirklich Dinge bewegen wollen. Und ich möchte, dass die eine gute, große Stimme bekommen und einfach laut sein können, um genau das zu machen und dann im Endeffekt auch die, die Digitalisierung in der Verwaltung voranzubringen.
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