Künstliche Intelligenz mit André Hellmann
Veröffentlicht am 19.2.2024
Digital Impact Podcast · Folge vom 19.02.2024
In dieser Folge wird André Hellmann für das Campus+ Magazin der Hochschule Karlsruhe interviewt. Es geht um künstliche Intelligenz, Andrés Einschätzung zur aktuellen KI-Situation und zukünftigen Entwicklung und um die Auswirkungen auf die Arbeitswelt für Studierende und Berufseinsteiger:innen.
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Transkript der Folge lesen
[00:00:00.060] – André
Hallo und herzlich willkommen zur neuen Folge des Digital Impact Podcast der netzstrategen. Ich bin André Hellmann, Gründer und Geschäftsführer der netzstrategen und bei uns im Digital Business Team tätig. Für diese Folge wurde ich einmal von den Professoren Christoph Ewert und Jens Nimis interviewt. Für das am 18. März 2024 erscheinende Campus plus Magazin der Hochschule Karlsruhe. Wir haben einfach das komplette Gespräch aufgezeichnet. Wir haben natürlich viel über KI gesprochen und wie es unseren Alltag verändern wird. Los geht es aber gleich mit der wichtigen Frage, ob ich ein Digital Nerd bin oder nicht. Los geht’s.
[00:00:31.080] – Christoph
Wir freuen uns, dass wir also den André Hellmann zum Gespräch für unser Hochschulmagazin Campus plus gewonnen haben. André, ich will mal mit einer ersten provokanten Frage anfangen, oder was heißt provokant. Bist du eigentlich ein Digital Nerd?
[00:00:45.150] – André
Ja, wahrscheinlich schon, aber halt so berufsmäßig. Ich habe gerade meinen Kindern gestern davon, dass ich also schon viel Zeit mit digitalen Medien und Geräten verbringe, aber doch sehr stark beruflich einfach. Die meiste Zeit kommuniziere ich da, koordiniere, beruflich auf jeden Fall, privat nicht so sehr.
[00:01:03.150] – Christoph
Das heißt, wie viele Medien nutzt du denn? Oder Apps oder Podcasts? Wo informierst du dich? Was sind so die Hauptmedien, über die du kommunizierst?
[00:01:13.230] – André
Naja, kommunizieren erstmal intern über unsere Medien, die wir in der Firma benutzen, wie Slack, wie Asana, wie Google Drive. Da passiert unheimlich viel Google Meet oder halt eben Zoom Meetings. Da mache ich unheimlich viel. Wenn ich einen breiteren Scope habe, ist es viel Podcasts, die ich anhöre. Das ist wirklich ein wichtiger, eine wichtige Informationsquelle eben auch von den von den Fachmedien und von den etablierten Medien. Die höre ich ganz, ganz viel an, um bei Themen aktuell zu bleiben. Und dann recherchiere ich eben speziell noch mal über Google oder frage auch mal ChatGPT um Rat.
[00:01:45.270] – Christoph
Jetzt ist ja deine Firma, netzstrategen haben wir eben gesehen, im Nachbarbüro wird gerade eine Schulung durchgeführt. Die Frage ist zum Beispiel bei uns an der Hochschule, Vorlesungen werden ja immer noch primär live vor Ort gehalten. Würdest du das anders machen, wenn du jetzt bei uns Professor wärst und Vorlesungen machen würdest?
[00:02:06.180] – André
Ich würde, glaube ich, beides anbieten. Ich würde aber schon erwarten, dass die Studenten auch reinkommen. Also so im Endeffekt, wie wir es auch machen, dass man sagt, kannst natürlich gerne viel im Homeoffice arbeiten, aber wir möchten schon, dass die Leute auch gemeinsam dann hier im Haus sind und miteinander reden, sprechen, sich kennenlernen und auch mal anders austauschen. Für bestimmte Formate ist das in meinen Augen nicht anders möglich. So bums. Manchmal bin ich halt der Boomer und sag das mal. So verschiedene kreative strategische Überlegungen Hat man einfach bessere Ideen, wenn alle in einem Raum sind und nicht alle bam, bam, bam ein Meeting nach dem anderen durchklicken müssen, dann ist man da entspannter und trägt halt auch ganz anders zur Atmosphäre und Kultur bei. Wir achten aber darauf, dass dann eben alle auch beieinander sind. Also nicht, dass dann quasi jedes Team an anderen Tagen halt da ist. Sondern wir sagen: Hey, kommt. An den Tagen macht es halt besonders viel Sinn irgendwo so Dienstag, Mittwoch, Donnerstag seid mal da, dass man Montag und Freitag nicht unbedingt den ganzen Tag im Büro rumhängen will kann ich nachvollziehen. Wir können trotzdem produktiv sein, aber das muss dann eben nicht von Nine to Six sein, sondern geht dann auch ein bisschen anders.
[00:03:05.670] – Christoph
Wie ist denn so der Split Homeoffice und Präsenz bei euch ungefähr?
[00:03:11.820] – André
Also ich würde mal im ganzen Firmenmittel sagen 60, 40, mehr daheim schon. Wir haben aber Leute, die jeden Tag da sind. Ich bin fast immer da. Also ich mache nur Homeoffice, wenn die Kinder krank sind. Andere machen eben mehr Homeoffice. Wir haben auch Leute, die full remote arbeiten für uns, die zum Beispiel eben aus Berlin oder auch aus Mauritius zum Beispiel. Oder aus dem Iran, oder aus Istanbul, wohnt der Kollege jetzt, full remote mit arbeiten, die wir ganz, ganz selten nur sehen. Es funktioniert schon auch, aber wenn man am Standort ist, freuen wir uns natürlich, wenn die Leute kommen und machen sie auch. Nicht aus Zwang, sondern ich glaube, weil wir halt einfach auch ein cooler Laden sind. Gute Gesellschaft, eine gute Gesellschaft einfach in der Firma halt auch da ist.
[00:03:50.880] – Christoph
Unser Thema ist ja künstliche Intelligenz, unser Titelthema. Was macht ihr denn mit künstlicher Intelligenz? Arbeitet ihr damit schon? Hast du damit schon Mitarbeiter ersetzt? Wie läuft das bei euch?
[00:04:04.410] – André
Ja, also zum einen ist es bei uns ja quasi Schulungs- und Beratungsgegenstand. Also es ist schon so, dass es unsere Kunden beschäftigt, das Thema, dass die wissen wollen, wie sie das einsetzen können. Zum einen, weil sie halt Fachkräftemangel haben. Es müssen nicht nur Fachkräfte sein, sondern Kräftemangel haben. Die finden schlechter Leute, die Bindung ist geringer, höhere Volatilität der Mitarbeitenden. Das ist schon schwierig. Und da ist die Frage natürlich legitim zu sagen: Ja, kann ich denn jetzt mit dieser KI da Stellen ersetzen? Ist es denn irgendwie möglich? Das schauen wir uns gemeinsam mit den Kunden an. Und von der anderen Seite ist ja die strategische organisatorische Überlegung. Und von der operativen Seite schulen wir bei unseren Kunden, wahrscheinlich war das auch das, was du gerade irgendwo gesehen hast, schulen wir eben auch einfach mal so ein Grundverständnis an den Tools, wie wir es in den letzten Jahren zum Beispiel mit Google Analytics oder eben Google Ads Facebook Ads gemacht haben. Also diese ganzen Plattformen muss man ja mal kennenlernen grundsätzlich, dass man sich da wohlfühlt und so machen wir es auch mit KI, um sich der Sache mal anzunähern.
[00:05:02.550] – Christoph
Ja, wie ist denn das? Ich bin ja schon kurz davor, in Pension zu gehen, Aber mein Kollege Niemetz, der ist noch jung. Muss der eigentlich um seinen Job fürchten, dass irgendwann die KI seine Vorlesungen ersetzt?
[00:05:15.180] – André
Das kommt auf den Jens an!
[00:05:18.870] – Christoph
Ein Visionär. Mal in die Zukunft geguckt, wie, wie weit wird das gehen?
[00:05:23.100] – André
Naja, ich glaube also, eine KI ist wie eine Suchmaschine, die braucht ja erstmal Input, bevor sie was machen kann. Und der Input hängt ab von deinem Intellekt, von deinem, von deiner Neugier, von deiner Kreativität. Und da wird der Jens halt ersetzbar sein. Weil der Jens weiß ja, was die Leute wissen müssen, was wichtige Grundlagen sind, damit man besser mit der KI arbeiten kann. Ich glaube schon, dass KI das ergänzen kann, was Jens oder Professor X zukünftig macht. Das wär ja auch toll, wenn die Studenten das so annehmen würden. Aber ich, ich kann mir nicht vorstellen, dass man darauf verzichten sollte. Ich würde es, ich würde es der Gesellschaft nicht raten, in die Richtung zu denken, sondern ich würde sagen: Lasst uns da auch ein Hybrid Format finden, wo gute, schlaue Professoren die Neugier wecken, mal den Horizont erweitern und man dann in die Tiefe gehen kann, zum Beispiel mit einer KI. So glaube ich, ist es ein sinnvoller – sinnvolle Mischung.
[00:06:13.770] – Jens
Tatsächlich ist es im Moment ja auch schon so, dass wir bestimmte Aufgaben planen, von Lehrveranstaltungen erstellen von Lehrmaterial, zum Teil auslagern sozusagen an KI und aber das Eigentliche, den Wissenstransfer dann doch versuchen persönlich zu machen, sei es online oder auch in Präsenz. Insofern ist das wahrscheinlich auch gar nicht anders als bei euch, dass bestimmte Tools in der richtigen Phase eingesetzt, unser Arbeiten auch effizienter und besser machen.
[00:06:38.430] – André
Absolut. Genau so ist es bei uns auch, dass wir es auch durchaus im Unternehmen einsetzen, dass wir also – das ich schon auch, das ist ja auch voll cool eigentlich zu sagen: Hey, wenn ich abends dann da sitz und ich keine Kollegen mehr fragen kann, wenn ich eine Präsentation vorbereite, dass ich dann mit ChatGPT in Dialog gehe und sag: Wie würdest du das denn machen? Wie würdest du das denn strukturieren? Gib mir mal ein paar Tipps und Hinweise. Das mache ich schon, aber das fertige Resultat ist dann – kommt dann aus meiner Birne und nicht aus der, aus der künstlichen im Endeffekt und so, so, so eine Mischform, so eine Mischform scheint im Augenblick sehr angemessen für das, was wir natürlich machen. Strategieberatung. Das würde ich keiner Maschine in die Hand drücken. Andersrum gibt es schon Dinge im Schulungsbereich, wo wir sehr stark auf KI bauen, wo wir nicht mehr so wahnsinnig viel anfassen. Weil die KI schon sehr, sehr gut zuarbeiten kann. Sei noch gesagt, dass natürlich das Fact checking extrem wichtig ist. Also du brauchst eben auch wieder hier einen guten Prof oder eben ein gutes – gute Kollegen, ein gutes Umfeld, das dir hilft, auch mal zu erkennen, wenn so eine KI durchdreht. Das machen die ja gerne, dass sie einfach dann – die kommen, ja, Fakt, Fakt, Fakt, Fakt, Quatsch. So und genau da muss man halt sehen oder das Bauchgefühl haben: Okay, jetzt wird es ein bisschen wild, das recherchiere ich jetzt noch mal und stelle sicher, dass ich es meinem Kunden oder meinem Studenten halt keinen Quatsch erzähle.
[00:07:54.210] – Jens
Das ist auch genau die Stelle, wo wir in den Vorlesungen sozusagen KI als Gegenstand einbauen, um das zu beurteilen, was die KI macht. Also das ist so für uns zum einen Arbeitsmittel als auch Mittel, wo wir unsere Studierenden dran ausbilden müssen, damit richtig umzugehen und das zu beurteilen, was die KI denn da erzählt hat, ob das fantasiert war oder wirklich eine Tatsache, was da gerade gekommen ist.
[00:08:17.160] – André
Ist wie mit jedem Werkzeug. Du musst den Umgang damit lernen. Es ist – wenig Werkzeuge sind wirklich intuitiv bedienbar. Und so ist es bei der KI auch. Es ist eine komplexe Maschine und ich muss verstehen, was sie tut. Auch wenn jetzt quasi die vielen Knöpfe vielleicht wegfallen, wie bei einem Flugzeug oder so jeder kann eine KI bedienen. Trotzdem muss sie wissen, was sie tut, nur weil ich es nicht anfassen kann.
[00:08:38.190] – Christoph
Jetzt sagt man ja, Daten sind heute das Wichtigste. Mit Daten verdient man Geld. Welche Daten sind eigentlich wertvoll, wenn du mit Unternehmen zusammen arbeitest? Welche Daten sind wirklich von hohem Wert oder wie generiert man wertvolle Daten?
[00:08:56.370] – André
Das geht ja zurück zum Geschäftsprinzip: Womit verdiene ich mein Geld? Also Unternehmen haben klassischerweise die können mehr Umsatz machen und mehr Ertrag, wenn sie die Kosten besser im Griff halten können und ihr Geld richtig einsetzen. Richtig investieren quasi. Und um da Entscheidungen zu treffen, muss man sich anschauen: Welche Daten führen zu besseren Entscheidungen im Unternehmen? Das kann im Marketing sein, bei meinen Marketingausgaben, dass ich einfach besser weiß, wo ich meine Euros da einsetze und meine Dollars, wo ich bessere Leute erreiche, die näher an einem Kauf, an einem Abschluss, an einer Entscheidung sind. Das ist ein Weg, der ganz klassisch im Marketing, in der Kommunikation eingesetzt wird, in der Werbung und andersrum, dass ich im Unternehmen besser verstehe, wo meine Wertschöpfung, Wertschöpfung eigentlich ist, dass ich wirklich weiß, wo, worauf kommt es denn genau an? Welche Einsätze bringen auch einen Ertrag? Welche Einsätze machen in unserem Fall zum Beispiel die Kunden zufriedener? Wo differenzieren wir uns stärker und wo vielleicht nicht? Und da, wo wir uns nicht differenzieren, versuche ich halt dann auch zu automatisieren, zu standardisieren, zu strukturieren oder es halt herauszugeben. Also das sind die Informationen, die man braucht. Du brauchst erst mal ein Modell von deinem Geschäftssinn, von deinem Geschäft eigentlich und verstehen, was da passiert. Und dann kannst du anfangen, mit den Daten Entscheidungen zu treffen.
[00:10:08.630] – Christoph
Vielleicht mal hypothetisch gefragt, wenn du unsere Hochschule nimmst wir produzieren ja auch eine Menge Daten. Und bei uns geht es ja auch darum, gute Studenten zu kriegen, eine hohe Auslastung zu bekommen. Hast du da spontane Idee, wie wir das nutzen könnten? Sinnvollerweise.
[00:10:25.760] – André
Also ich würde also – Okay Hypothese. Ich ich würde ja gerne immer gute Absolventen wollen, die nachher geile Jobs finden. Das ist glaube ich das, was ihr erreichen könnt, weil das zieht wahrscheinlich wieder andere schlaue Leute an und dann hast du so irgendwann mal so einen Kreislauf so ein Flywheel, was man ja immer haben möchte. Und das würde ich jetzt mal quasi reengineering. Also ich nehme jetzt mal zehn von euren besten Absolventen, die die tollsten Jobs heute haben, die vielleicht so Leuchtturmjobs haben irgendwo und verfolge mal den Weg rückwärts. Wo, wo kam – wie lief das eigentlich ab von der – da seid ihr jetzt, ab eurem Abschluss. Wie kammt ihr dahin? Wie habt ihr die Uni durchlebt und wo kamt ihr vorher her? So, und dann würde ich mir überlegen, wie kann ich jetzt zum Beispiel mehr von denen erreichen? Kann ich zum Beispiel am Anfang über verschiedene soziale Medien oder online Marketingmaßnahmen mehr in den Regionen von bestimmten Schulen in bestimmten Ländern Leute gezielter ansprechen? Dann würde ich mir überlegen, mit denen im Gespräch: Was hat euch denn hier so interessiert? Was fandet ihr so toll an der HKA? Okay, dann würde ich diese Attribute halt vor allem nach vorne stellen, weil These diese Attribute für diese besonders guten Absolventen besonders spannend sind, wird ihnen das eben anbieten und dann auch vielleicht während ihrer Zeit an der Hochschule besondere Fördermöglichkeiten bieten, besondere Einrichtungen – ihr müsst auch mit denen reden und schauen diese Personas, was fanden die bei euch so cool und was hat dazu geführt, dass die einen tollen Abschluss und einen guten Job gefunden haben? Und diese Dinge würde ich einfach ganz stark fördern, mich darauf konzentrieren und alles andere halt, das wird da schon mitgezogen. Das ist immer so meine These. Aber es macht keinen Sinn, sich auf die Schwächsten zu konzentrieren, sondern eher die stärksten zu fördern und die anderen mit in den Sog zu nehmen. So würde ich das eher gestalten.
[00:12:04.760] – Christoph
Und es geht ja heute alles über die sozialen Medien. Jetzt Facebook ist ja was für mich, Instagram vielleicht für Jens, TikTok für dich oder was…
[00:12:16.460] – André
Würden meine Kinder anders sehen.
[00:12:18.800] – Christoph
Aber was sind denn so die sozialen Medien, die im Kommen sind?
[00:12:23.810] – André
Im Kommen ist im Endeffekt nur Fragmentierung und, und eine Generation, die mit dieser Fragmentierung überhaupt kein Problem hat. Meine Kinder wie gesagt 12,14,16 ganz grob, die springen da überall rum, ohne Mühe. Also auch wenn ich denen aufs Handy gucke und dann sind alle Icons, haben irgendwie 100 Benachrichtigungen, also stresst euch das nicht. Hä, was denn? Ich sehe das gar nicht. Die können damit spielen wie andere auf dem Klavier. Das ist unglaublich. Und das ist das, was ich sehe bei der Jüngeren, bei einer heranwachsende Generation hinter GenZ sogar, dass sie da gar keinen Stress mit haben. Die differenzieren da null irgendwie. Von daher kann da noch ganz viel kommen. Ich glaube alles was kommt, wird immer und immer kleiner. Also ich glaube…
[00:13:02.270] – Christoph
Die Massenmedien werden eher zurückgehen.
[00:13:04.700] – André
Das ist ja schon seit seit Jahrzehnten so. Dass wir quasi einfach ein Sterben der Massenmedien haben, dass es immer weniger wird. Dann hast du mal wieder so ein Facebook oder so ein Meta, das dann wieder so einen Sprung nach vorne macht. Aber auch die diffundieren quasi einfach, gerade weil die Leute überall anders hinspringen. Auch jetzt das ganze Twitter Drama rund um Elon Musk und X. Wozu hat es geführt? Da sind jetzt irgendwie fünf, sechs andere Plattformen, die alle so mittelmäßig erfolgreich sind, wie früher mal Twitter, wenn wir uns erinnern, die ja auch nie so richtig wirtschaftlich erfolgreich waren. Es gibt noch mehr, die am Tropf von Investoren hängen, aber alle halt irgendwie sich doch halten können. Von daher glaube ich, ist das der, der Trend. Und damit werden wir Boomer uns halt auch abfinden müssen, dass wir dann halt miteinander auf Facebook oder ich vielleicht auf Instagram mit meinen Kumpels rumhäng und die Generation nach uns einfach überall sind. Die wissen halt Papa kriege ich halt auf WhatsApp und Insta und meine Freunde auf Snapchat und Blue Sky und Mastodon oder so.
[00:13:56.720] – Jens
Für euch aus der Werbewirtschaft heißt es dann aber, dass ihr jeder aktuellen Plattform sozusagen immer gerüstet sein müsst, oder?
[00:14:03.050] – André
Was wir gerade forcieren ist eher die die Nähe wieder zum Kunden. Also so wirklich das Communitymarketing, das ich wirklich ganz gezielt mir Leute von den Plattformen hole, die ich selber ansprechen kann. Weil wir merken gerade, dass die Algorithmen extrem restriktiv sind, extrem eigensinnig sind. Die verfolgen ihre ganz eigenen Geschäftsinteressen und nicht mehr unbedingt die von Stakeholdern, sage ich jetzt mal. Das ist denen wurscht. Die wollen meine Euros, meine Werbeeuros hätten sie gern, aber die helfen mir jetzt organisch nicht mehr weiter. Deswegen versuchen wir zum Beispiel als erste Conversion in unser Flywheel rein Leute von den Plattformen in Newsletter reinzubringen oder in Events reinzubringen oder in Messenger, wo ich einfach nicht die – wo ich dann den Plattformen nicht ausgeliefert bin. Heute strafen Facebook, LinkedIn externe Links ab. Auf Insta kann ich sie gar nicht platzieren, richtig, weil der Weg so eklig ist, dass es keiner – dass sich da keiner durch klickt irgendwie. Dieses Ziel dieser Plattform ist immer die Leute schön auf der Plattform zu halten. Die ziehen sich ihre eigenen Content Creators heran. Die wollen einfach Unabhängigkeit von Dritten. So, und wenn ich dann noch als Dritter irgendwas machen will, dann muss ich halt Euros hinlegen.
[00:15:11.720] – Jens
Das heißt das könnte man verallgemeinern. Für eine zukunftsorientierte Marketingstrategie muss man eigentlich direkte Kommunikationsmittel finden zu sein.
[00:15:19.580] – André
Alles andere wird zu teuer. Alles andere, auch im E-Commerce, wird einfach zu teuer. Du hast geringe Margen und die Kosten hier vorne steigen so stark. Also für mich ist es immer so, es gibt ein Loch in der Wand, wo irgendwann mal alle durch müssen und das ist quasi genau das Loch in der Wand, dass es irgendwann dazu kommt, weil die, die, die Preise können nicht ewig weiter steigen. Man kann nicht ewig mehr mehr Geld verlangen, aber man muss auch welches verdienen gleichzeitig. Das klassische Handelsdilemma. Und da wird es nicht anders möglich sein, dass ich irgendwann wieder virtuell Leute in meinem Laden hab, die da halt unterwegs sind, die ich selber erreiche, die da auch freiwillig herkommen und halt mit mir zusammenarbeiten. Da wird es sicherlich einige erwischen im Markt, die dann verschwinden werden.
[00:15:58.850] – Christoph
Wie ist denn da deine Sichtweise? Stationärer Handel, digitales Geschäft? Wird das Stationäre immer weniger? Wird das irgendwann aussterben oder wird es da eine Gegenentwicklung geben?
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