Digital Impact Newsletter Quanten-Computing, Robotik und KI: Meine Delegationsreise nach Katalonien đ¤
Quanten-Computing, Robotik und KI: Meine Delegationsreise nach Katalonien đ¤
Andre Hellmann
Drei intensive Tage einer Delegationsreise liegen hinter mir, mit vielen Impressionen, Gesprächen und Erkenntnissen. Das Wirtschaftsministerium hat mich schon einige Male eingeladen – angenommen habe ich erst jetzt, wo es im Rahmen der Vier Motoren in Europa nach Katalonien ging. In Barcelona haben wir vor allem drei Elemente mit Unternehmens- und Institutsbesuchen unter die Lupe genommen: Quanten-Computing, Robotik und Anwendungen der kĂźnstlichen Intelligenz, um einen Einblick in den Stand der Entwicklung zu bekommen. FĂźr mich vor allem, um zu bewerten, ob diese Technologien bereits konkret anwendbare Chancen fĂźr unsere Projekte und Kunden finden. Durch die makers99 – seit acht Jahren schon unsere spanische Tochtergesellschaft und Entwicklungsmarke – war die Reise ein Heimspiel, da das Team im Tech-Stadtteil Poble Nou von Barcelona sitzt. In diesem Newsletter mĂśchte ich meine EindrĂźcke zum Stand dieser Zukunftstechnologien mit Dir teilen und einen Blick in die unmittelbare Zukunft wagen.
Quanten-Computing: Viele Ressourcen fßr sehr spezielle Anwendungsfälle
Ganz klar geworden ist mir, dass diese Technologien (Quanten-Computing, Robotik und KI) alle noch nicht so richtig skalieren. Alle drei brauchen noch sehr viel individuelle Beratung, Anpassung an den konkreten Kunden-Case und intensive Begleitung bei der EinfĂźhrung und dem Betrieb der LĂśsungen.
Quantencomputer mĂźssen mathematisch wie technisch noch genau auf das zu lĂśsende Problem eingestellt werden. Ganz grob gesagt kĂśnnen sie aus einer Unzahl an verknĂźpften Variablen mit verschiedenen Ausprägungen alle mĂśglichen Varianten definieren und daraus jeweils das effizienteste Szenario identifizieren – weil sie bei der Berechnung die geringste Energie benĂśtigt. Also quasi eine Monster-Matrix mit einem detaillierten Scoring.
Ein beliebtes Praxisbeispiel ist z.B. der Handelsreisende, fĂźr den eine optimale Route berechnet werden soll – was leicht auf Routenoptimierung in der Logistik Ăźbertragen werden kann. Aber auch in der Medizin, Materialforschung und Produktionsoptimierung finden sich Beispiele, die komplex genug sind, um einen Quantencomputer zu rechtfertigen – da sie nur damit Ăźberhaupt zu lĂśsen sind.
Derzeit lÜsen sie aber nur jeweils genau das eine Problem und das ab zehn Millionen Investitionskosten und hohem Aufwand fßr Einfßhrung und Betrieb. Irgendwann einmal sollen sie in der Cloud verfßg- und zuschaltbar sein, um komplexe Probleme zu lÜsen. Meine Einschätzung ist allerdings, dass das noch 5-10 Jahre dauern wird. Wenn Du tiefer ins Thema einsteigen mÜchtest, lege ich Dir das Unternehmen Qilimanjaro Quantum Computing in Barcelona ans Herz oder das Frauenhoer IAO.
Robotik ist noch weit vom Alltags-Einsatz entfernt
FĂźr mich ist die Situation in der Robotik ähnlich. Der grĂśĂte Teil der Roboter von PAL Robotics wird an Forschungseinrichtungen geliefert – egal ob fĂźr Medizintechnik, Industrie oder Retail. Nur wenige Pilotprojekte laufen Ăźberhaupt, von einem produktiven Rollout spricht man noch gar nicht. Zum einen zieht die Regulatorik einen Strich durch die Rechnung aufgrund von Sicherheits- und Datenschutzproblemen.
Aber auch an die tatsächliche Wirtschaftlichkeit glauben die Unternehmen noch nicht. So werden die Roboter vor allem als Ergänzung, statt als Ersatz fĂźr die Menschen gesehen, die in Lagern, Läden und Supermärkten eingesetzt werden kĂśnnen. Und natĂźrlich liefern sie dabei mehr und akkuratere Daten in Echtzeit. Aber ob der Mehrwert dieser Daten so groĂ ist, wenn dennoch ein Mensch neben dem Roboter steht? Wahrscheinlich erst dann, wenn wir eben diese Menschen nicht mehr haben oder finden. Zumal viele Gebäude erst einmal noch âroboterfreundlichâ Ăźberarbeitet werden mĂźssen – denn alleine den Aufzug zu rufen oder TĂźren zu Ăśffnen, gelingt den kleinen und groĂen Helfern nur schwer.
Dennoch sind Roboter natßrlich mega cool und ich hoffe absolut, dass wir einen Weg zur Koexistenz finden. Anwendungsfälle in der Medizin und Pflege liegen auf der Hand. Doch auch nach vielen Jahrzehnten der Forschung, feiern wir aktuell einen Erfolg, wenn die Teile einfach nicht umfallen, wenn man sie schubst. Da ist noch viel Grundlagenentwicklung notwendig, um auf einer Robotik-Plattform Alltags-Anwendungsfälle aus der Wirtschaft zu realisieren.
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Die Software, die im Roboter läuft, ist noch nicht serienreif. In den beiden Informatik-Instituten IIIA-CSIC (Die Fakultät fĂźr KI der Universität von Katalonien) und CVC (Computer Vision Center) durften wir uns die Anwendungsentwicklung auf Basis der LLMs anschauen. Am meisten Zeit verbrachten wir in einer Diskussionsrunde mit dem EU-Projekt VALAWAI, das einer kĂźnstlichen Intelligenz menschliche Werte vermitteln mĂśchte. Denn ohne unsere Werte kann eine KI auch nicht in unserem Sinne entscheiden – was wichtig wird, wenn wir ihnen auch Verantwortung zuschreiben wollen wie beim autonomen Fahren. Sie mĂźssen dann verstehen, wie sie entscheiden sollen, wenn sie in einen Zielkonflikt oder gar Dilemma geraten.
Die Forscher:innen versuchen dabei gerade, menschliche Werte in mathematische Gleichungen zu ĂźberfĂźhren, um den Modellen das menschliche Erwägen zu vermitteln. Ein spannender Deep-Dive, bei dem ich zugegebener MaĂen im Mittelteil ausgestiegen bin – stellvertretend fĂźr die Wirtschaft, die auf dieser Basis ebenfalls noch nicht durchstarten wird, mit einer wahrlich ergebnisverantwortlichen generativen kĂźnstlichen Intelligenz.
Ăhnlich wie bei der Robotik muss erst einmal noch die menschliche Grundlage gelegt werden – dort mechanisch, hier virtuell – um Aufgaben umverteilen zu kĂśnnen.
Bei all dieser teuren, komplexen und langwierigen Grundlagenforschung macht auf einmal ein Bßndnis wie die Vier Motoren und die vielen anderen Projekte und Initiativen Sinn, die ich auf der Reise kennenlernen durfte. Hier unnÜtige Dubletten zu finanzieren ist ärgerlich; da muss gerade in Europa sehr eng zusammengearbeitet werden, um den fragmentierten Ländernachteil gegenßber den USA und China ein wenig wettzumachen. Das ist eine weitere Erkenntnis, die ich vor der Reise nicht hatte.
Effektivere Zusammenarbeit und eine gemeinsame Botschaft Europas
Zum Abschluss ging es zur beeindruckenden Smart City Expo, auf der viele tausend Aussteller aus unterschiedlichen Ländern ihre LĂśsungen fĂźr die Städte der Zukunft präsentierten. Auf die vielen einzelnen Punkte einzugehen geht jetzt zu tief und zu weit – aber drei Offenbarungen mĂśchte ich dennoch mit Dir teilen:
Der mittlere Osten war unter anderem mit Qatar, Dubai und Saudi-Arabien mit pompÜsen Ständen vertreten, deren gefßhlt einzige Mission es war zu vermitteln, dass man Geld hat und es investieren mÜchte. In den Gesprächen an den Ständen wurde bereits im zweiten Satz die Finanzkraft und Investitionsbereitschaft betont, noch bevor man mich fragte, was ich eigentlich mache. Hier will man Ideen aus dem Ausland und gezielt Europa schon ganz frßh mitgestalten und mitbestimmen.
Ganz anders China und Indien sowie weitere asiatische Länder, die sehr hemdsärmelig daher kamen, mit einfachen und improvisierten Arealen – denn âStandâ trifft es wahrlich nicht mehr. Ihre Botschaft war klar: Wir machen âCheap-Full-Stack-Everything“ – egal welches Thema, aber von der Idee Ăźber Konzept und Produktion bis zur Logistik und vor allem billig. Nur vermarkten muss man es noch selbst in den einkommensstarken Ländern. Sie sind wahrlich die Produktionsstätte der Welt und tragen das auch nach auĂen.
In der Halle mit den europäischen Ausstellern, gab es viele tolle Unternehmen und Technologien zu sehen. An dieser Stelle habe ich mich gefragt, warum europäische Länder wie Spanien, Italien, Portugal oder Frankreich, einzelne Regionen wie die Rhone-Alp und Katalonien und dann noch einmal einzelne Städte wie Barcelona, Paris oder Porto getrennte Stände mit unterschiedlichen Angeboten hatten. Das war ein total verwirrendes Puzzle und verdeutlichte eindrucksvoll, dass bei allem europäischen Gemeinschafts-Geist wohl auch noch viel Konkurrenzdenken und eine geringe Abstimmungskompetenz oder der fehlende Wille dazu fehlt.
Ich glaube, dass das Besuchererlebnis um vieles besser sein kĂśnnte, wenn man sich hier zu grĂśĂeren und einheitlichen Clustern zusammenschlieĂen wĂźrde. So kĂśnnten Themen und Unternehmen Ăźbersichtlich geordnet und eine gemeinsame Botschaft effektiv kommuniziert werden, statt Ăźberwältigend viele kleine, die einfach untergehen.
Damit kÜnnten wir zeigen, dass wir auch in Europa zusammenstehen und am gleichen Strang ziehen. Quasi ein Gegengewicht zu den autoritären Schwergewichten auf der Welt und ein Gegenentwurf auf AugenhÜhe.
Aber vielleicht sind wir hier auch einfach noch in der Grundlagenforschung und es dauert noch seine Zeit, bis das Konzept Europa marktreif ist. Fakt ist, wir mĂźssen einen Zahn zulegen, wie die Wahlen in den USA zeigten.
Die Reise hat vielschichtig EindrĂźcke hinterlassen. Zum einen die Delegation selbst, die wirklich erstklassig besetzt war und in dieser Runde auch Ruhe und Zeit gegeben hat, sich kennenzulernen und konkrete Synergien in Baden-WĂźrttemberg zu finden. Schon alleine deswegen – gerne wieder und herzlichen Dank an Dr. Patrick Rapp MdL, Florian Hauger und das Team der vier Motoren und bw-i fĂźr die Organisation der Reise sowie der Firmen- und des Messebesuchs.
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